Aussenseiter unter sich – Gus Van Sants «Don’t Worry, He Won’t Get Far on Foot»

Gus Van Sant oszilliert zwischen Mainstream und Arthaus – sein neues Biopic verbindet die zwei Welten und gehört zu seinen besseren Filmen. Der gelähmte Cartoonist John Callahan wird von Joaquin Phoenix dargestellt; in weiteren Rollen sind u.a. Rooney Mara, Jonah Hill und Jack Black zu sehen.

John Callahan (Joaquin Phoenix) hat ein Problem. Ein Bierchen reicht ihm nicht, da muss noch Härteres rein – und zwar nicht nur ab und zu, sondern dauernd, den ganzen Tag. Nach einer Sauftour mit Dexter (Jack Black) wacht er im Spital auf und kann sich kaum noch bewegen. Ein Leben im Rollstuhl erwartet ihn. Doch dank Freunden, dank Therapie und seiner Partnerin (Rooney Mara) gelingt es ihm, sich neu zu erfinden – als Cartoonist.

Gus Van Sant ist der Regisseur von «Gerry» und «Monster», aber auch der Regisseur von «Good Will Hunting» und «Finding Forrester». Arthaus und Mainstream sind dabei bei ihm nicht unbedingt ein Gegensatz, auch wenn sein neuer Film doch klar zu seinen konventionellen Werken zu rechnen ist, meilenweit entfernt von Experimenten wie «Last Days» oder auch «Psycho», dem Hitchcock-Remake, das ja eigentlich nichts anderes war als ein Kunstprojekt (allerdings so camoufliert, dass der Film durch und durch konventionell wirkte). «Don’t Worry, He Won’t Get Far on Foot» ist zweifellos ein Film für ein breiteres Publikum, aber doch ansprechend gemacht, vielleicht etwa vergleichbar mit seinem anderen grossen Biopic, «Milk».

Starke Nebenrollen: Jonah Hill erweist sich in Gus Van Sants neuem Film als extrem wandlungsfähig. (Bild: zVg)

Auch hier geht es um Aussenseiter, doch man merkt, dass Van Sant immer auf der Seite der Ausgestossenen ist. Alkoholiker, Behinderte, aber auch Schwule und Schwarze – sie alle kommen hier zu Wort. Der Humor von Callahans Cartoons gehört natürlich auch dazu – auch wenn Minderheiten ihn vielleicht teilweise als beleidigend empfinden – es sind ja vor allem die «besorgten Bürger», die damit nichts anfangen können. Genau so, wie die alte Tante es nicht mag, wenn nach dem Tod von Maggie Thatcher «Ding-Dong! The Witch Is Dead» zum Hit wird. So oder so wird ja dauernd der Linken vorgeworfen, dass sie es mit der Political Correctness übertreiben würde, aber das ist doch eigentlich nichts anderes als rechte Propaganda. Doch zurück zu «Don’t Worry, He Won’t Get Far on Foot»: Robin Williams hat Gus Van Sant eingeladen, diesen Stoff zu verfilmen. Dies ist ein Glücksfall, denn Van Sant ist dort glaubwürdig, wo ein reiner Routinier nicht hätte reüssieren können.

«Don’t Worry, He Won’t Get Far on Foot». USA 2018. Regie: Gus Van Sant. Mit Joaquin Phoenix, Jack Black, Rooney Mara, Jonah Hill, Beth Ditto, Kim Gordon, Udo Kier u.a. Deutschschweizer Kinostart am 16. August 2018.