Liebevoller Blick zurück – Jonah Hills «Mid90s»

Jonah Hills Debüt als Regisseur überzeugt mit einer präzisen Milieustudie über einen Teenager, der unter Skatern eine Art Ersatzfamilie sucht, um sich von seinem brutalen älteren Bruder und seiner alleinerziehenden Mutter zu distanzieren. Musikalisch mit von der Partie sind u.a. The Pharcyde, GZA, A Tribe Called Quest, Souls of Mischief und Del tha Funkee Homosapien – letzterer ist sogar in einer kleinen Nebenrolle als Obdachloser zu sehen.

Los Angeles. Der 13-jährige Stevie (Sunny Suljic) fühlt sich nicht mehr zuhause bei seiner alleinerziehenden Mutter und seinem brutalen Bruder. Er freundet sich mit Skatern an, zuerst dem nicht viel älteren Ruben, dann aber den älteren Fuckshit (Olan Prenatt) und dem Star der Gruppe: Ray (Na-kel Smith von Odd Future) – der Intelligenteste von allen, der auch auf dem Board am meisten drauf hat. Stevie will sich bei seinen neuen Freunden beweisen, was aber nicht ganz einfach ist, schliesslich hat er erst seit Kurzem überhaupt ein Board…

Wer im Kino Rap-Sounds aus der ersten Hälfte der 90s hören will, liegt mit Jonah Hills erstem Film als Regisseur richtig. Jonah Hill hat auch das Drehbuch selber verfasst und erweist sich so bereits mit seinem Regiedebüt als echter Auteur – es handelt sich zweifellos um ein Herzensprojekt, in dem er wohl nicht zuletzt auch seine musikalischen Vorlieben ausleben kann.

Stevie (rechts unten) mit seinen Freunden. (Bild: zVg)

Zu hören sind unter anderem GZA vom Wu-Tang Clan, The Pharcyde, Souls of Mischief, Del tha Funkee Homosapien, A Tribe Called Quest, Gravediggaz, Big L, Cypress Hill – dazu aus anderen Genres ESG (oft gesampelte Band aus den 80ern), Bad Brains, The Mamas and the Papas, Seal, Philip Glass und mehr. (Im Trailer ist zudem das vom Wu-Tang Clan gesampelte «After Laughter Comes Tears» von Wendy Rene zu hören.)

Jonah Hill ist ein sehr einfühlsamer Regisseur und Drehbuchautor. Anders als in Larry Clarkes Filmen kommt bei Jonah Hill eine wirkliche Zuneigung zu seinen jugendlichen Protagonisten zum Ausdruck, vielleicht, weil der Film nicht zuletzt eine Art Hommage an die eigene Jugend ist; Jonah Hill ist tatsächlich etwa so alt wie Stevie – gerade deshalb ist es richtig, dass der oscarnominierte Schauspieler im Film nicht zu sehen ist.

«Mid90s» ist ein Film für alle, die einen Bruder haben, für alle, die sich gerne an den Hip-Hop der 90er zurückerinnern, für alle SkaterInnen und ganz allgemein für LiebhaberInnen des Arthaus-Filmschaffens. Der Film hält dabei – nicht nur in musikalischer Hinsicht – alles, was der Trailer verspricht.

 «Mid90s». USA 2019. Regie: Jonah Hill. Mit Sunny Suljic, Katherine Waterston, Lucas Hedges, Na-kel Smith, Olan Prenatt, Gio Galicia, Alexa Demic, Ryder McLaughlin u.a. Deutschschweizer Kinostart am 18. April 2019.


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