Abschied nehmen – David Roux’ «L’ordre des médecins»

Der dynamische Arzt David muss zusehen, wie seine eigene Mutter in sein Spital eingeliefert wird. Dies bringt sein Berufsleben bald völlig durcheinander. Dabei macht David eine Erfahrung, die typisch für die heutige Zeit ist, in der Innen und Aussen immer weniger klar umrissen sind…

David (Jérémie Raynier) ist ein junger, dynamischer Arzt und Lungenspezialist. Der Umgang mit Krankheit und Tod ist für ihn Alltag, doch als seine Mutter Mathilde (Marthe Keller) eingeliefert wird, wird es für ihn immer schwieriger, Berufliches von Privatem zu trennen…

Der Franzose David Roux legt ein einfühlsames Debüt vor, in dem sicherlich auch einiges an Autobiographischem zu sehen ist. Die Baslerin Marthe Keller spielt die Mutter von David Chaykine; so hat der Film auch noch einen speziellen Bezug zur Schweiz. Vor allem aber ist «L’ordre des médecins» ein Werk, in dem allgemeinmenschliche Erfahrungen – Tod, Trauer, Abschied nehmen – mit viel Feingefühl verarbeitet werden.

Der Arzt David (Jérémie Renier) in einer neuen Rolle. (Bild: zVg)

In David erkennen wir uns, auch wenn wohl nur die wenigsten Zuschauer in seiner Branche tätig sind. Dabei ist es aber gerade der präzise, liebevolle Blick auf das Leben und Arbeiten in einem Spital, das den Film besonders sehenswert macht.

Die (nicht zuletzt auch zeittypische) Schwierigkeit, Beruf und Privatleben auseinanderzuhalten, der Tod, die Trauer, das sind dann aber doch wieder Themen, die uns alle angehen. Hier ist aber die Verortung im Besonderen nie Selbstweck.

Selbst die jüdischen Wurzeln von Davids Familie werden zwar angesprochen, sind aber nie einfach (wie in weniger anspruchsvollen Filmen) folkloristischer Hintergrund, sondern sind ein integraler Teil der Handlung, etwa dann, wenn der jiddische Chor die Mutter im Spital besucht, oder dann, wenn nach ihrem Tod David eine jüdische Tradition des Trauerns weiterführt.

Die verdeckten Spiegel sind denn auch eine Art Anti-Kino, das vielleicht – zumindest für cinephil gesinnte Menschen – auch jenseits von allen Traditionen für eine ultimative Form des Trauerns, des Wegsehens, der symbolischen und realen Abwesenheit der geliebten Person stehen kann. Sehenswert!

«L’ordre des médecins». Frankreich/Belgien 2018. Regie: David Roux. Mit Jérémie Renier, Marthe Keller, Zita Hanrot, Maud Wyler u.a. Deutschschweizer Kinostart am 8. August 2019.

 

 

 

 

 

 

 


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