Der geniale Pantomime, der auch in der Résistance war – Maurizius Staerkle-Drux’ «L’art du silence»
Maurizius Staerkle-Drux erzählt in seinem Dokumentarfilm neben dem Leben und Wirken des vielleicht bekanntesten Pantomimen Marcel Marceau auch von seiner eigenen Familie.
Marcel Marceau, geboren in Strassburg als Marcel Mangel, in eine jüdische Familie mit Wurzeln in der Ukraine und Polen. Während der NS-Besatzung war er in der Résistance tätig und konnte so viele Kinder retten. Nach dem Krieg unterhält er zuerst US-Truppen und bald Menschen auf der ganzen Welt. Seine Familie setzt die Tradition fort – sie lebt auch in der Familie des Filmemachers Maurizius Staerkle-Drux weiter.
Da Maurizius Staerkle-Drux’ Vater gehörlos ist, hat er selber einen besonderen Bezug zur Welt der Stille. Für gehörlose Menschen ist es schön, dass es die Pantomime gibt, die für sie und Hörende grösstenteils gleich erfahrbar ist – die Gebärdensprache ist ja für die meisten Hörenden ein Buch mit sieben Siegeln.
Marcel Marceau wiederum wurde massgeblich von Charlie Chaplin und Buster Keaton beeinflusst, so schliesst sich der Kreis zwischen Pantomime und Film.
Für Aussenstehende mag dieser persönliche Bezug verblüffen, wir sehen sogar den Vater Christoph Staerkle, wie er selber pantomimisch tätig ist. So kommt im Film Marceau etwas weniger zum Zug, gleichzeitig ist es wohl gerade dieser persönliche Bezug, der den Film ausmacht – vielleicht wäre Staerkle-Drux ohne ihn auch gar nicht zu Marceau gekommen.
Auch Marcel Marceau hat viele andere Menschen beeinflusst – einerseits durch die familieneigene Ausbildungsstätte, andererseits etwa in der Person von Michael Jackson, dessen Moonwalk ohne Marceau undenkbar wäre.
Alles in allem ist Staerkle-Drux ein interessanter Dokumentarfilm gelungen, in dem sowohl Marceau selbst, Marceaus Familie als auch Starkle-Drux‘ Familie ihren Platz finden: am allermeisten ist der Film vielleicht wirklich eine Hommage an seinen gehörlosen Vater, den Pantomimen Christoph Staerkle.
Staerkle-Drux selber arbeitet ja ebenso stark mit dem Ton wie mit den Bildern – sowohl in zahlreichen anderen Filmen (er hat in Zürich Filmregie mit Vertiefungsfach Tongestaltung studiert) wie auch in seinem neuen, zweiten langen Dokumentarfilm. So verbindet Staerkle-Drux hier noch mehr als in seinem ersten Dokumentarfilm das Persönliche mit dem Leben und Wirken einer anderen Familie.
«L’art du silence». CH/Deutschland 2022. Regie: Maurizius Staerkle-Drux. Deutschschweizer Kinostart am 19. Mai 2022.
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