Blood Simple

Andrew Dominik entwirft in seinem aktuellen Film ein Bild eines gnadenlosen amerikanischen Kapitalismus. Es handelt sich aber dabei nicht um einen Casino-Kapitalismus, sondern eher um einen Gangster-Kapitalismus – oder vielleicht eher einen Kapitalismus der illegalen Kartenspiele.

Die zwei Loser Frankie (Scott McNairy) und Russell (Ben Mendelsohn) haben soeben erfahren, dass der Kleinkriminelle Markie Trattman (Ray Liotta) ein illegales Kartenspiel, in dem er selber involviert war, überfallen liess. Ihr genialer Plan: sie wollen seinen Coup wiederholen – und Markie soll bezahlen. Doch weil die zwei eben nicht die Hellsten sind, kriegen die Bosse Wind von ihrer Aktion – und Jackie Cogan (Brad Pitt) soll den Schaden aufräumen. Dieser will den Auftrag aber an New York Mickey (James Gandolfini) weitergeben…

 

Oft sind im Film, Barack Obama und George W. Bush zu hören, via Radio (ähnlich wie in Robert Altmans «Thieves Like Us»), aber auch via Fernseher. Und es ist bezeichnenderweise der Killer Jackie Cogan, der Barack Obamas Vision eines gerechteren Amerika kritisiert. Für ihn hat der Mann nur Illusionen, und er scheint den Texaner aus «Blood Simple» (dem genialen Début der Coen Brothers) zu zitieren: «in Texas… you’re on your own» bzw. eben «in America you’re on your own».

 

 

Andrew Dominik entwirft in seinem dritten Spielfilm ein Bild eines Amerika, in dem Geld und Waffen herrschen. Zudem ist es auch das Bild eines weissen Amerika, in dem AfroamerikanerInnen höchstens als Prostituierte (oder dann nur medial vermittelt als Präsidentschaftskandidat Barack Obama) vorkommen. Im Film ist denn auch ab und zu die Rede von «ginzos» – der abwertende Begriff für Italiener zeigt, wie stark der Rassismus in den USA nach wie vor ist, zumindest in gewissen Kreisen. Doch im Grunde genommen sind die Menschen im Film Dinosaurier; das heutige Amerika hat einen anderen Blick auf soziale und rassische Fragen, einen Blick, der soeben in der Wiederwahl Barack Obamas zum Ausdruck gekommen ist. Auch wenn Obamas Optimismus oft illusorisch erscheint; er ist mit seinen Ideen eben doch näher gerade bei jungen und nichtweissen WählerInnen als Romney und Ryan. Näher auch als der weisse Killer Cogan. Nicht Zynismus ist erwünscht, sondern Vision.

 

«Killing them Softly». USA 2012. Regie: Andrew Dominik. Mit Brad Pitt, Ray Liotta, James Gandolfini, Richard Jenkins, Ben Mendelsohn, Sam Shepard, Vincent Curatola, Scoot McNairy u.a. Deutschschweizer Kinostart: 15.11.2012.

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