Der Alltagsstress spielt Piano

Von Tim Loosli

Das Album «Move» der japanischen Pianistin Hiromi Uehara ist die jüngste Kreation ihres Trio-Projektes mit dem Bassisten Anthony Jackson und dem Drummer Simon Philips. Die neun Stücke umfassende CD ist als eine Art Soundtrack des Tages zu verstehen. So beginnt das Album mit schnellen, technisch anspruchsvollen Riffs und versprüht ähnlich wie ein Wecker eine gewisse Nervosität. Der Drang, dem Trio weiter zuzuhören, sinkt also etwa im gleichen Ausmass, wie jeden Morgen die Motivation aufzustehen, da bereits der erste Track gewaltig an den Nerven zerrt. Ein mässig geglückter Auftakt, auch wenn das Stück genau jene Stimmung eindrucksvoll wiedergibt, die uns jeden Morgen so leidvoll aus den Träumen reisst.

Hektisch, doch technisch ausgefeilt: Das neue Album «Move» der jungen Pianistin Hiromi.

Das dritte Stück «Endeavor» lebt von Melodien, die immer wieder gespielt werden und so den Alltag der Arbeitswelt widerspiegeln. Die täglichen Anstrengungen werden musikalisch sehr gut interpretiert, da selbst das Zuhören etwas ermüdet und der Synthesizer Sound hektisch aus den Boxen tönt. Die CD endet mit «11:49 PM», einem Song, der den Tag ausklingen lässt und somit auch den Beginn eines neuen Tages markiert. Das musikalische Talent der jungen Pianistin und ihre einzigartige Technik kommen gut zur Geltung und transportieren gekonnt eine Geschichte, die das Trio beabsichtigt, mit dem Album zu erzählen. Emotionen sind, wie in der Arbeitswelt, fehl am Platz. So bekommt der Käufer dieser CD nichts Bahnbrechendes oder gar viel Neues zu hören, sondern erhält vielmehr eine eindrucksvolle Demonstration von Hiromis Pianokünsten.

 

Hiromi «Move» (Telarc.)

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