This Film Is Not Yet Rated

Die Schweiz, das drittreichste Land der Welt, kann sich keine eigenen Altersfreigaben  leisten und übernimmt deshalb bei Filmen – zumindest bei den DVDs – die Angaben der deutschen FSK. Kulturimperialismus, bilaterale Massnahmen, autonomer Nachvollzug oder einfach Faulheit?

Die Freigabe von Filmen ist in der Schweiz traditionell kantonal geregelt. Die Meinungen gehen auseinander, und nicht nur, weil in unserem Land mehrere Sprachgemeinschaften zusammenleben – ähnlich wie in Belgien. Nun hat Belgien es zumindest bei den DVDs geschafft, Freigaben für alle drei Gemeinschaften, also die niederländischsprachige, die frankophone und die deutschsprachige durchzusetzen.

„Wir müssen weder die FSK übernehmen noch jeden Kanton zwingen, ein nationales System zu übernehmen.“ (Foto: zVg)

Hierzulande ist das offenbar nicht möglich: Das Tessin wird bei der aktuellen und sehr umstrittenen Lösung – der Übernahme des deutschen FSK-Systems – einfach gar nicht berücksichtigt. Die Romandes und Romands haben das Nachsehen, da sie – wie schon beim Kauf der Swiss durch die Lufthansa – nun einfach eine «deutsche Lösung» übernehmen müssen.

Nun ist ja doch die Frage, ob die kulturellen Unterschiede in der Schweiz eben nicht mindestens drei verschiedene Systeme rechtfertigen würden. Es ist ja durchaus möglich, dass die Menschen in der Romandie mit dem französischen System zufrieden wären, während die Verantwortlichen in der Deutschschweiz wohl meist ähnlich streng sind (bzw. waren) wie die FSK oder sogar noch strenger. Weshalb also eine Freigabe für die ganze Schweiz? Gleichzeitig sind ja die Flamen nicht immer sonderlich gut zu sprechen auf die Wallonen, und trotzdem gilt die Freigabe für das ganze Land. Vielleicht kann sich die reiche Schweiz ja auch weiterhin kantonale Freigaben leisten – schliesslich ist die Schweiz nicht gerade ein armes Land, sondern wohl Nummer 3 nach Luxemburg und Norwegen.

Sicherlich lässt sich über Sinn und Unsinn von Zensur streiten. Aber die meisten Menschen sind halt der Meinung, dass nicht jeder Film für Kinder und Jugendliche geeignet ist, und dies ist ja auch durchaus verständlich. In diesem Kontext ist es aber gerade interessant, dass das neue Filmverordnungsgesetz das Alter für nicht freigegebene Filme (wie in Deutschland) auf 18 heraufgesetzt hat. Drei Zürcher Filmverleiher haben nicht zuletzt deshalb beim Verwaltungsgericht Beschwerde erhoben. Aber auch bei anderen Filmen sind gewisse Beteiligte offenbar der Meinung, die FSK sei zu liberal für unsere lieben Kleinen.

Ich meine, dass sich die reiche Schweiz ein eigenes System leiste kann, das den kulturellen, sprachlichen, regionalen und anderen Gegebenheiten Rechnung trägt. Deshalb fordere ich: Wir müssen weder die FSK übernehmen noch jeden Kanton zwingen, ein nationales System zu übernehmen. Beides scheitert nämlich am Widerstand entweder von denen, denen die FSK zu wenig weit geht – oder denen, die sich ein liberaleres oder kantonales System wünschen. Denkbar wäre auch ein dreigeteiltes System, das wenigstens für die Romandie, die Deutschschweiz und das Tessin je eine Kommission gewährleisten würde. Die Freigaben sollen dann selbstverständlich für die Kinoauswertung ebenso gelten wie für die DVD-Edition.


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