Universiphil1 #4: Alles Theater

In ihrer vierten Kolumne über und rund um die Uni erzählt Tante Étudiante von ihrem Theatercamp und der Wonne, für eine Woche mal nicht ständig erreichbar oder unterwegs sein zu müssen.

Für eine Woche fort von allem, was Stress bereitet und Nerven kostet - ein kleiner Mikrokosmos wie das Theater selbst. zVg

Für eine Woche fort von allem, was Stress bereitet und Nerven kostet – ein kleiner Mikrokosmos wie das Theater selbst. zVg

Vor gut einer Woche musste ich mich schweren Herzens der harten Realität stellen – auch dieses Jahr sollte das Theater-Camp zu Ende, und wir von der „Gay Beggars Student Drama Group“ nach Hause gehen. Jedes Jahr ist es der gleiche bittersüsse Abschied von einer Welt, die, für die Dauer einer Woche, nahezu perfekt scheint.
Camp, das heisst für mich eine Woche losgelöst sein vom Alltag, dem damit verbundenen Stress, Internet und der „Kultur“ des Ständig-erreichbar-sein-müssens. Wir ziehen uns dabei jeweils in ein Gruppenhaus in einem abgelegenen Ort (dieses Jahr Signau) zurück und verbringen die Tage damit, für die neue Produktion im Frühling zu proben (aktuell „The Hypochondriac“ von Molière. Das Stück läuft im April im Theaterkeller des Englischen Seminars). Wer nicht gerade mit Proben fürs Theater beschäftigt ist, verbringt die Zeit entweder mit Spielen, Lesen, Musizieren, Quatschen, Nickerchen halten oder in der Küche, um den nächsten kulinarischen Höhepunkt vorzubereiten. Essen, so wurde mir schon ganz am Anfang meines Beggar-Daseins nahegelegt, ist mindestens genau so wichtig wie die ganze Theaterspielerei. So besteht die Gruppe denn auch zu einem nicht zu unterschätzenden Teil aus koch- und backfreudigen Menschen, die die Gruppe jeden Tag aufs Neue mit Köstlichkeiten bei Laune halten.
Was mich immer wieder fasziniert – und einer der Hauptgründe ist, warum ich Camp für die wahrscheinlich beste Woche des Jahres halte – ist, dass man eigentlich nichts machen muss, aber alles kann. Klar, wir müssen uns an die Probenpläne halten und es sollte eigentlich auch als selbstverständlich gelten, mal in der Küche und/oder beim Aufräumen mitzuhelfen, aber ansonsten ist man frei in der Zeiteinteilung. Wenn ich ein Spiel spielen will, finden sich schnell Leute zusammen, genauso, wenn jemand Lust auf einen Spaziergang hat. Aber ich kann mich auch gut zwischendurch in eine Ecke oder in mein Zimmer zurückziehen, wenn ich mal ein wenig Ruhe haben und etwas lesen möchte. So etwas tut extrem gut! Die Abende sind dann jeweils der Höhepunkt der Geselligkeit. Wer es tagsüber lieber etwas ruhiger anging, ist spätestens nach dem Abendessen wach. Diverse Getränke für jeden Geschmack stehen zur Auswahl (sofern man möchte, es ist ja nichts vorgeschrieben!), es wird diskutiert, gelacht und herumgealbert. Meistens hat auch jemand einen Beamer und Filme dabei für ein kleines Heimkino oder Instrumente, die zu fantastischen Jam-Sessions einladen. Besser könnte es nicht sein!
Es ist schön zu sehen, wie die Gruppe von Tag zu Tag mehr zusammenwächst. Niemand wird ausgeschlossen und auch wenn nicht alle mit allen einen gleich guten Draht zueinander haben, so habe ich doch noch nie ein Camp erlebt, in dem es zu grossen Dramen (ausserhalb des Proberaumes) gekommen ist. Man hat sich gern und geniesst die Zeit zusammen. Und gerade auch deshalb fällt der Abschied Ende Woche immer so schwer: Ich verabschiede mich nicht in erster Linie von meinen Freunden, sondern vom Camp, seinem heimeligen Haus, der Unbeschwertheit und einer nahezu perfekten kleinen Welt in der auch Gruppenumarmungen weder kitschig noch selten sind. Ich freue mich jedenfalls schon auf nächstes Jahr – aber zuerst auf die Aufführungen (deswegen waren wir ja schliesslich weg)!

2 Gedanken zu “Universiphil1 #4: Alles Theater

  1. heideggerli

    Hallo Tante Étudiante, weiter so mit dieser Uni-Kolumne! Was ist nun eigentlich mit gezetera los? Gut, dass hier noch etwas Lustiges zum Uni-Leben geschrieben wird.

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