Gott ist König

Ein Sadhû ist ein hinduistischer Heiliger, der sich zu Armut und Keuschheit verpflichet hat. Regisseur Gaël Métroz begleitet den Sadhû Suraj Baba auf seiner Reise.

Suraj Baba lebt ganz allein im Himalaya, in einer Höhle. Verpflichtet hat er sich zu Armut und Keuschheit und lebt weit weg von den Menschen, von Sex und Geld. Nach acht Jahren entschliesst er sich, anlässlich von Kumbha Mela, einem hinduistischen Fest, wieder unter die Menschen zu gehen. Dort kommt er in Berührung mit gewöhnlichen Menschen, die von ihm gesegnet werden wollen. Er lehnt aber ab. Andere Sadhûs (bzw. ihre Jünger) kritisieren seine angeblich liederliche Lebensführung. Doch Suraj Baba muss seinen eigenen Weg gehen und macht sich auf den Weg zurück in den Himalaya…

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Er lehnt nicht nur das weltliche Leben ab, sondern auch die zum Business gemachte Religion der Etablierten: Suraj Baba (Foto zVg)

Stellen Sie sich einen Film über Papst Franziskus vor. Die Musik stammt ebenfalls von Papst Franziskus. Genau das ist Gaël Métroz gelungen: ein Film über einen heiligen Mann, die Musik stammt vom Protagonisten des Dokuments selbst: Suraj Baba. Anders als Papst Franziskus – der sich wohl eben nicht nach Franz von Assisi, sondern eher nach Franz Xaver, dem Mitbegründer der Societas Jesu (der Jesuiten also), benannt hat – hat Suraj Baba aber nicht nur dem Sex, sondern auch dem Geld abgeschworen. Zurück im Himalaya geht der musizierende Sadhû in eine Bar und gibt dem Publikum eine Kostprobe seines Könnens. Die Begegnung mit der Gastfreundschaft einer Frau weckt in ihm Erinnerungen an ein früheres Leben.

Gaël Métroz hat mit Suraj Baba einen wirklich bemerkenswerten Mann gefunden, der ganz für seine Religion lebt. Doch es ist gerade seine Menschlichkeit, die ihn ausmacht. Er lehnt nicht nur das weltliche Leben ab, sondern auch die zum Business gemachte Religion der Etablierten. Was würde Luis Buñuel dazu sagen? Er würde zweifellos das nonkonformistische Leben des Inders bewundern; zugleich aber hätte er sicher auch Zweifel am Sinn seines Tuns. Wie die Nonne Viridiana – die Protagonistin des gleichnamigen Films aus dem Jahre 1961 – hat er sich ganz für ein Leben für die Religion entschieden – und somit implizit gegen die Menschen. Aber vielleicht ist nicht allen Menschen das Leben unter den Menschen freund. Während Viridiana  am Schluss heiratet  und so nach Buñuel etwas Sinnvolles aus ihrem Leben machen kann, so bleibt Suraj Baba seinem der Welt abhanden gekommenen Leben treu und geht weiter – auf seiner Suche nach der Wahrheit. Sein Name heisst «Gott ist König». Für Suraj Baba kann es nur ein Leben allein mit Gott geben.

«Sadhû».  Schweiz/Indien  2012. Regie: Gaël Métroz. Dokumentarfilm. Deutschschweizer Kinostart: 28.3.2013.

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2 Gedanken zu “Gott ist König

  1. lulu

    Ein interessanter Typ, dieser Sadhû! Was meinst du aber genau mit «die zum Business gemachte Religion der Etablierten»?

  2. nds Artikel Autor

    Osterhasen und Ablassbriefe… die Kommerzialisierung der Religion hat viele Gesichter. In Indien lassen sich Gläubige z.T. ihre Haare abschneiden; die Tempel verkaufen die Haare dann in den Westen…