The Hypochondriac von Molière im Englischen Seminar

Die Theatergruppe The Gay Beggars inszeniert vom 6. bis zum 20. April Molières The Hypochondriac im Englischen Seminar der Uni Basel. Zeitnah berichtet von einer der Hauptproben und der Premiere.

Eindrücke von einer der Hauptproben von "The Hypochondriac". © Amadis Brugnoni

Eindrücke von einer der Hauptproben von «The Hypochondriac». © Amadis Brugnoni

Am Ende waren die Perücken das grösste Problem. Im neuen Theaterstück der Gay Beggars, seit über siebzig Jahren ein fester Bestandteil des Englischen Seminars der Universität Basel, soll auch dieses kleine Detail stimmen. Auf dem Programm steht Molières Le Malade Imaginaire, von John Wood zu The Hypochondriac übersetzt. Seit Monaten bereitet man sich vor, geht Szenen durch, nimmt Masse fürs Korsett, organisiert Requisiten und tausend weitere Dinge. Und nun, drei Tage vor der grossen Premiere, kämpfen einige Schauspieler noch mit ihren Perücken – doch mit ein paar Haarnadeln ist das Ganze schnell behoben.

Falsche Ärzte und Erbschleicher

Denn abgesehen von solchen kleinen Patzern verläuft die Hauptprobe zur grossen Zufriedenheit der beiden Regisseure Roman Bischof und Xander Deubelbeiss und zur Freude des Testpublikums. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass Molières Stück auch nach mehr als dreihundert Jahren immer noch eine gnadenlos komische Satire des Gesundheitswesens darstellt. Natürlich ist alles fest im Kontext des Barocks verankert. Das mechanistische Weltbild von Descartes dominiert die Medizin des 17. Jahrhunderts, der menschliche Körper ist nichts weiter als eine Maschine, die man mit Aderlass und Einläufen warten und reparieren kann. Aber hinter diesen veralteten Methoden verbirgt sich ein zeitloser Kern, der auch in der heutigen modernen Medizin nichts an Brisanz verloren hat: Wie geht man mit den Themen Tod und Vergänglichkeit um? Darf man sich locker damit auseinandersetzen, gar darüber lachen?

Im Falle von Molière ganz bestimmt. Allein der Titel des Stücks drückt feine Ironie aus. So wird der eingebildete Kranke Argan von einer Armada von Ärzten belagert, die ihm allesamt versichern, wie schlimm es doch um ihn steht. Nur mithilfe seiner Schwester und dem pfiffigen Hausmädchen Toinette kommt er allmählich zur Erkenntnis, dass sich krank fühlen nicht gleich krank sein ist. Und lernt, wer wirklich sein Bestes will – und wer es bloss auf sein reiches Erbe abgesehen hat. Die durchwegs lebensbejahende Botschaft Molières wechselt sich mit dem Ernst von Leben und Tod ab, ohne dabei zur Farce oder zum Melodram zu verkommen. Der Schlussapplaus nach der Premierenaufführung ist frenetisch.

Grossartige Kostüme und Schauspieler

Jedoch wäre es unfair, die Begeisterung des Publikums nur auf die Zeitlosigkeit von The Hypochondriac zurückzuführen und die Leistung der Gay Beggars zu vernachlässigen. Der Entscheidung, das Stück nicht nur in der Bühnengestaltung, sondern auch in Kostümfragen zeitgenössisch aufzuführen, gebührt Respekt. Ebenso der Umsetzung. Die Charaktere Molières sind nach bewährten Stereotypen gestaltet – etwa böse Stiefmutter, ahnungsloser Ehemann, cleveres Hausmädchen – aber sie werden von den Beggars mit Herzblut und esprit verkörpert.

Kostüme und schauspielerische Leistungen sind gleichermassen hervorzuheben. Amadis Brugnoni

Kostüme und schauspielerische Leistungen sind gleichermassen hervorzuheben. © Amadis Brugnoni

Ausserdem sollte man nicht übersehen, dass die Nebenrollen und kleineren Dramen im Hintergrund ebenso viel zur Lebendigkeit des Stücks beitragen wie Wortwitz und schnelle Dialoge. Zwar erwartet uns eher weniger hektisches Herumgerenne und Slapstick wie im letztjährigen Erfolgsstück Noises Off, doch von zu viel Ernst kann man auf keinen Fall sprechen. Und spätestens, wenn das von maman begleitete Doktorensöhnchen Thomas Diafoirus auf die Bühne tritt und sein Liebesbekenntnis zur Tochter Argans in lateinisch angehauchter Künstlichkeit herunterstottert, ist das Publikum vor Lachen kaum mehr zu halten.

The Hypochondriac läuft noch bis zum 20. April im Englischen Seminar. Tickets sind insbesondere für die Derniere hochbegehrt und sollten deshalb schnell vorreserviert werden. Es lohnt sich!

The Hypochondriac von Molière (übersetzt von John Wood)
Aufführungen am 6., 7., 9., 11., 13., 15., 17., 19. und 20. April
Im Englischen Seminar, Nadelberg 6
Beginn jeweils um 20 Uhr, Tickets bis um 19 Uhr 30 abholbar
Preis CHF 20.- regulär, 15.- für StudentInnen, AHV, IV
Ticketreservationen unter gaybeggars@hotmail.com

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