Monster’s Tango – Frédéric Fonteynes «Tango Libre»
Frédéric Fonteyne legt ein interessantes Gefängnis- und Beziehungsdrama vor – mit viel Tango.
Alice (Anne Paulicevich) ist die Mutter von Antonio (Zacherie Chausseriaud). Sein Vater Fernand (Sergi López) ist im Gefängnis – zusammen mit Dominic (Jan Hammenecker), den auch Alice und Antonio kennen. JC (François Damiens) schliesslich – der Fünfte im Bunde – ist nicht nur Alice‘ Tangopartner, sondern auch Gefängniswärter. Nicht nur der junge Antonio ist angesichts dieser Konstellation überfordert – kommt noch dazu, dass er auch nicht alles weiss über die Vergangenheit von Mama Alice und Dominic. Schliesslich versuchen alle fünf auf ihre Art, sich aus dieser Situation zu befreien…

Von ungewöhnlichen Beziehungsformen und einem Tanz, der etwas Licht in die Dunkelheit des Gefängnisses bringt: «Tango Libre» (Foto: zVg)
Der belgische Regisseur Frédéric Fonteyne («Une liaison pornographique») mag ungewöhnliche Formen der Beziehung. Da passt es auch, dass er nun quasi die europäische Antwort auf Marc Forsters‘ Hollywoodfilm «Monster’s Ball» vorlegt – auch hier geht es um eine Beziehung von einem Gefängniswärter zur Frau eines Insassen. Ansonsten haben aber die Filme kaum etwas gemein. Und das ist auch gut so. Sicherlich erzählen beide höchst unwahrscheinliche, ja geradezu fantastische Geschichten, und am Schluss gibt es vielleicht keinen wirklichen Ausweg mehr. Anders als die Hauptfigur in «Un prophète» – ebenfalls einem frankophonen Gefängnisfilm – ist der Neustart hier kaum mehr möglich. Aber schon allein durch die Beschäftigung mit dem Tango haben die Insassen etwas Licht gebracht ins Dunkel des Gefängnisses – und vielleicht gereicht es nicht zuletzt dem Film selber zum Vorteil, das Gefängnis (das notabene in Polen gefilmt wurde und nicht in Belgien) als Metapher zu verstehen für das mentale Gefängnis, in das sich die Männer, die darin leben (und dazu gehören auch die Wärter), manövriert haben. Durch den Tango, durch die Berührung (das Wort Tango wird manchmal – vielleicht volksetymologisch – auf das lateinische tangere zurückgeführt) schaffen es diese harten Männer, sich eine Stück Würde zurückzutanzen und ihre Angst zu überwinden. Das Drehbuch stammt denn auch bezeichnenderweise von einer Frau – und zwar von Anne Paulicevich, die im Film Alice spielt. Mariano «Chicho» Frúmboli, der im Film den argentinischen Insassen, der den anderen den Tango näherbringt, spielt, ist notabene einer der Begründer des Tango Nuevo. TangofreundInnen dürften hier also auf ihre Kosten kommen. Ein Tanzfilm der etwas anderen Art!
«Tango Libre». Belgien/Frankreich/Luxemburg 2012. Regie: Frédéric Fonteyne. Mit Sergi López, François Damiens, Anne Paulicevich, Jan Hammenecker, Zacherie Chausseriaud u.a. Deutschschweizer Kinostart: 27.6.2013.

Wo bitte gibts den Soundtrack zu kaufen? Oder es würde auch nur schon die Info genügen, welche NICHT-Tangostücke (ausser Baby Love von Diana Ross) im Film drin vorkommen. Danke!
http://www.filmweb.pl/film/Tango+Libre-2012-661643/discussion/Soundtrack,2038864
vielleicht hilft Dir dieser Link weiter!
Ja, dieser Link hilft weiter, perfekt! Ich verstehe zwar kein einziges Wort in der Sprache, aber die Liste mit Songs und Interpreten ist Gold wert, Danke.