Universiphil1 #6: Von 70 000 Schafen und der Kirche im Zentrum der Welt

Von Tante Étudiante

In ihrer sechsten Kolumne berichtet Tante Étudiante von der diesjährigen Exkursion des Seminars für Nordistik auf die Färöer-Inseln – dem heimlichen Zentrum der Welt. Und die nächste Reise steht bereits an.

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Die Färöer-Inseln bieten viel mehr als nur Schafe und schroffe Landschaften, wenn man sich auf sie einlässt. zVg

Ich melde mich hiermit offiziell von meiner Abwesenheit zurück. Die Bachelor-Prüfungen sind überstanden, es bleibt lediglich ein Essay zu schreiben und ich bin soeben von einer etwas längeren Woche im Norden zurückgekommen. Da ich leider nicht allen persönlich eine Postkarte schicken konnte, hier ein Beispiel dessen, was ich hätte schreiben können: «Liebe/r […] Die ganze Woche hindurch hatten wir sommerliche plusminus 12°C und meist grauen, bedeckten Himmel mit dem ganzen Spektrum von Trocken – Nebel – Nieselregen – Regen. Windig war es sowieso. Für einen Tag war es jedoch wunderschön und sonnig und man konnte tatsächlich im nur im dünnen Pulli rumlaufen (für die Färöer war das die Gelegenheit, ihre kurzen Hosen und Trägertops rauszuholen und die Kinder rannten barfuss rum). Überhaupt gibt es fast doppelt so viele Schafe wie Menschen hier. Liebe Grüsse, T.E.» Ja, und was für eine Woche das war! Das Seminar für Nordistik hat sich für die diesjährige Exkursion ein paar besondere Fleckchen Erde als Destination ausgesucht – die Färöer. Fär- bitte was? Wo liegt denn das? Und noch viel wichtiger – ist das überhaupt ein Land? Die Antworten dazu (nicht unbedingt in der richtigen Reihenfolge): Ja, es ist tatsächlich ein Land. Genauer gesagt, die Färöer sind eine Inselgruppe im Nordatlantik und wer eine Karte zur Stelle hat, wird sie irgendwo zwischen Norwegen, Island und Schottland finden. Politisch sind sie immer noch Dänemark unterstellt (und das aus eigenem Willen – es wurde mal darüber abgestimmt), was ziemlich praktisch ist, wenn man noch einige dänische Kronen von der letzten Städtereise nach Kopenhagen übrig hat.

Ich nehme jedenfalls viele Impressionen von diesem doch etwas verschrobenen Land mit. Ein Highlight der Reise muss ich jedoch erwähnen – Klaksvík. Das ist nicht etwa die Hauptstadt, sondern, nach Angaben des Kulturbeauftragten, der uns mit einer herrlich bunten (im wahrsten Sinne des Wortes) Powerpoint-Präsentation über diesen bemerkenswerten Ort aufgeklärt hat, das Zentrum der Welt. (Naja, geographisch mag das ja stimmen…). Oder wussten Sie zum Beispiel:

  • dass Klaksvík, die zweitgrösste Stadt der Färöer (ca. 5000 Einwohner), die einzige Stadt des Landes ist, die Bevölkerungszuwachs erhält? Überall sonst ziehen die Leute weg (sogar von der Hauptstadt Tórshavn – ca. 20 000 Einwohner).

  • Dass Klaksvík der grösste Fisch-Exporteur des Landes ist?

  • Dass die einzige Brauerei der Färöer in Klaksvík ist? (natürlich kommt auch das beste Bier von dort).

  • Dass sich die Kirche von Klaksvík mit drei „Weltrekorden“ auszeichnen kann (Aussagen wurden nicht nachgeprüft, Anm. d. Red.)? 1. Sie ist die einzige Kirche, in der als Altarbild ein Fresko auf einem Wandteppich hängt. 2. Das Schiff, das in der Kirche hängt, ist kein kleines Modell (wie in anderen Kirchen), sondern ein Boot, das früher tatsächlich draussen auf dem Meer gebraucht wurde! Und 3. Der Taufstein ist ein Überbleibsel aus heidnischer Zeit und wurde einst sogar als Opferstein benutzt.

Also ich hätte das auch nie gedacht! Behalten Sie Klaksvík doch einfach mal im Hinterkopf, wenn es darum geht, Ihre nächsten Ferien zu planen. Ich jedenfalls habe meine Siebensachen bereits wieder gepackt – ein Road Trip nach England steht diesmal auf dem Plan.

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