Alma Migrante – Terrence Malicks «To the Wonder»
Neil und Marina sind frisch verliebt und erkunden zusammen Frankreich. Später sind sie in Neils Heimat, in die USA, gezügelt. Zusammen mit Marinas Kind. Doch ihre Beziehung geht langsam in die Brüche. Die Tochter findet keine Freunde, und der stille Neil (Ben Affleck) verguckt sich in eine Amerikanerin, Jane (Rachel McAdams). Zusammen mit einer anderen Migrantin, einer Italienerin, durchstreift Marina (Olga Kurylowa), die US-Provinz. Die Einheimischen leiden derweil unter einer noch unbekannten Umweltkatastrophe. Der suchende Father Quintana (Javier Bardem) will Trost spenden…
Terrence Malicks letzter Film («The Tree of Life») war zwar nicht unumstritten, aber fand wohl doch mehr Zuspruch als frühere Werke und verlieh dem New-Hollywood-Urgestein wieder neuen Elan. Wie schon im Vorgänger spielt auch diesmal die Religion eine wichtige Rolle. Doch es ist vor allem das Thema der Migration, das «To the Wonder» prägt. Von der Ukraine via Paris und St. Michel in die US-Provinz – die Ukrainerin Marina macht eine Erfahrung, die vielen Migrantinnen in einem doch eher kleinen Land wie der Schweiz selbst in der Stadt nicht fremd sein dürfte. Darüber hinaus ist «To the Wonder» aber auch die Geschichte eines schweigenden Mannes, der das Interesse für seine Frau verliert. Diese sucht Trost bei einem Priester – nach dem Teufel (in Form von Chigurh in der Cormac-McCarthy-Verfilmung der Coen Brothers, «No Country for Old Men») und dem Inquisitor Lorenzo bei Milos Forman («Goya’s Ghosts») spielt nun der spanische Schauspieler Javier Bardem bei Malick eine zutiefst ethische Figur, einen katholischen Priester, der mit sich selber hadert, anderen aber trotzdem Trost zu spenden vermag. Auch eine Italienerin namens Anna (Romina Mondello), die sich und ihre Freundin als Zigeunerinnen bezeichnet, füllt die Leere der Provinz zumindest teilweise aus.
Das Schweigen des Gatten steht in starkem Kontrast zum Wort des zölibatär lebenden Father Quintana. In diesem Schweigen zeigt sich auch ein fundamentales Desinteresse für die Kultur der Migrantin – da passt es auch, dass sich Neil in eine Jugendfreundin verliebt. Neils romantische Vision muss in ihre Einzelteile zerbrechen, da er selber ja nichts Neues sagt und so unfähig ist, an einer Beziehung weiterzuarbeiten. Es ist dabei nicht immer ganz einfach, Malicks poetischem Film zu folgen – manchmal ist der Film scheinbar so stumm wie Neil. Es lohnt sich also wohl durchaus, vor dem lohnenswerten Gang ins Kino ein paar Filmkritiken zu lesen…
«To the Wonder» USA 2012. Regie: Terrence Malick. Mit Ben Affleck, Olga Kurylowa, Rachel McAdams, Javier Bardem u.a. Deutschschweizer Kinostart: 29.8.2013.

