gesichtet #41: Basels kleiner Autofriedhof

Von Michel Schultheiss

Auto-Wracks, die mitten in der Stadt vor sich hinschlummern – für Basel mag das seltsam anmuten. Zwar gibt es unzählige verwaiste Velos und Einkaufswagen, die an allen möglichen Ecken, ganz oder in Einzelteile zerlegt, herumliegen. Leichen ganzer Personenwagen sind hingegen ein äusserst seltenes Phänomen. Nicht so auf dem Erlenmatt-Gelände: Bis vor nicht allzu langer Zeit gab’s dort einen Autofriedhof im Miniaturformat.

Autofriedhof Erlenmatt

Herrenlose Vehikel, die auf dem Flohmarktgelände ausgesetzt wurden (Foto: smi).

Die wenigen abgewrackten Karren konnten natürlich kaum mit dem landesweit bekannten Historischen Autofriedhof Gürbetal im Kanton Bern mithalten – weder in quantitativer noch in ästhetischer Hinsicht. Jene Ansammlung von Oldtimern im Gürbetal wurde auch für Kunstprojekte genutzt und bot mit ihren von Pflanzen überwachsenen Autos ideale Fotosujets. Die Basler Ausgabe im Miniatur-Format war aber noch weit davon entfernt, sich in diese Richtung zu entwickeln. Mittlerweile ist sie auch verschwunden und einem provisorischen Parkplatz gewichen. Bis vor Kurzem aber konnten die ausrangierten und nummernlosen Vehikel der Bauzone, welche die einstige Kultur- und Ausgangsmeile zusehends verschlang, die Stirn bieten. Mit der Zeit aber wichen auch diese kaputten «Zeugen» der alten Erlenmatt-Zeiten dem Grossprojekt zur Umgestaltung des Areals.

Betrat man während eines Sonntagsmarktes das nt-Areal, konnte man auf den ersten Blick annehmen, dass die Autos auch zum Feilgebotenen gehörten. Schliesslich wird an diesem Flohmarkt gelegentlich auch um Motorräder gefeilscht. Wie ein Mitglied des Sonntagmarkt-Teams erklärt, hatten die Autos damit aber nichts zu tun. Vor Jahren wurden sie von Unbekannten auf dem Erlenmatt-Gelände «entsorgt». Längst nicht alle störten sich an diesen sperrigen ungebetenen Gästen, wie sich der besagte Markt-Mitarbeiter erinnert: Zur kalten Jahreszeit dienten die Autos bisweilen als Unterschlupf für Obdachlose oder Drogenabhängige, die sich auf den Weg zum nahe gelegenen Gassenzimmer begaben.


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