Nach dem Brand – David Gordon Greens «Prince Avalanche»
Nach einem Waldbrand gibt es viel zu tun im Texas der 80er-Jahre. Alvin (Paul Rudd) und Lance (Emile Hirsch) sind unterwegs auf den Strassen der verwüsteten Landschaft und sorgen für mehr Verkehrssicherheit, indem sie die Strassen markieren. Alvin ist der Freund von Lance‘ Schwester Madison. Während sich der jüngere Lance fast zu Tode langweilt, holt sich Alvin aus der Stille Kraft, er schreibt Briefe an Madison und geniesst es, nicht unter den Menschen zu sein. Die zwei gegensätzlichen Männer haben noch einen langen Weg vor sich…
Basierend auf dem isländischen Film «Á annan veg» erzählt David Gordon Green die Geschichte einer Männerfreundschaft – aber noch viel mehr. Und zwar die Geschichte des Fortschreibens der menschlichen Existenz an sich… wie in Atom Egoyan «The Adjuster» – oder mehr noch: wie in Susanne Biers «Things We Lost in the Fire» muss auch das Leben hier weitergehen – gefilmt wurde «Prince Avalanche» denn auch in Bastrop, Texas nach einem verheerenden Brand. Viel unmittelbarer wirkt die Kraft der Entropie hier noch; hier sind es nicht allein Einzelschicksale, die im Zentrum stehen, sondern vielmehr eine ganze Region, die vom reinigenden, aber zerstörenden Feuer erfasst wurde. Alvin fühlt sich wohl in dieser zerstörten Landschaft, er muss aber lernen, mit seiner Umwelt einen stärkeren Kontakt zu pflegen; während für Lance die Leere die Möglichkeit bietet, seinen noch sehr promisken Umgang mit den Frauen zu hinterfragen. Die zwei Männer finden so auf ihre Art beide einen neuen Zugang mit ihrer Umwelt – und finden so beide einen neuen Weg in die menschliche Gesellschaft, die sie weiterschreiben müssen.
Interessant und bezeichnend ist, dass Alvin Deutsch lernt – dies in einer fast menschenleeren, zerstörten Gegend, in der natürlich niemand Deutsch redet. Alvin hat Mühe, sich auf den Moment einzulassen – Lance hingegen lebt nur im Moment. Nach ihren gemeinsamen Erfahrungen finden aber beide eine neue Aufgabe in ihrem Leben. Das ist zweifellos kein revolutionärer Aufruf, den Regisseur David Gordon Green hier inszeniert. Alvins Name lässt sich bezeichnenderweise als «Freund des übersinnlichen Wesens» übersetzen; viel bodenständiger ist Lance, dessen Name auf dem germanischen «land» basiert. Am Schluss sind beide sowohl im Land wie auch im Übersinnlichen (im der Entropie entgegegesetzten Element) verwurzelt. Ein schöner, hoffnungsvoller Film ist es also, den David Gordon Green hier vorlegt – ein menschlicher Film auch, der uns mit dem Bestehenden versöhnen will.
«Prince Avalanche» USA 2013. Regie: David Gordon Green. Mit Emile Hirsch, Paul Rudd, Lance LeGault, Joyce Payne u.a. Deutschschweizer Kinostart: 31.10.2013.

