Universiphil1 #9: Auf der Suche nach dem perfekten Lernklima

Von Tante Étudiante

In ihrer neuesten Kolumne fragt sich Tante Étudiante, wo es sich am besten lernen lässt. Egal ob zu Hause, an der Uni oder im Café, überall bieten sich verschiedene Möglichkeiten mit eigenen Vor- und Nachteilen an.

Tante Étudiante sucht nach der perfekten Lernumgebung und kommt zu überraschenden Ergebnissen. zVg

Tante Étudiante sucht nach der perfekten Lernumgebung und kommt dabei zu überraschenden Ergebnissen. zVg

«Einmal Lernen mit Konzentration bitte!» 

«Gerne. Wo darfs denn sein?»

Es ist Mitte Januar. Eine Zeit, in der ich mich typischerweise sehr satt (von all dem leckeren Festagsschmausen) und bereits ein wenig hibbelig (in Erwartung, dass die Wintersemesterferien kaum begonnen haben, das neue Semester aber bereits in Sicht ist) fühle. Anstatt jedoch tagtäglich das immerwährende Klagelied «Zeit, wo bist du hin?» zu singen, wechsle ich dies sehr gerne ab, indem ich ausführlich über meine Seminararbeit berichte, die noch zu schreiben ist – bis Ende Semesterferien, versteht sich.

Auf meiner Suche nach dem idealen Lern- und Schreibklima habe ich während meiner Zeit an der Uni so manche Alternativen ausgiebig getestet, mit jeweils ganz unterschiedlichem Erfolg. Da wäre zum Beispiel der klassische Arbeitsort – die Unibibliothek. Der grosse Vorteil daran ist, dass man üblicherweise auf allen Seiten von fleissigen Mitstudierenden umgeben ist und es somit fast unmöglich ist, mit gutem Gewissen der Prokrastination zu frönen. Geschweige denn dass man sich traut, längere Zeit seinem Platz fernzubleiben, da die Arbeitsplätze im Lesesaal äusserst beliebt sind. Mir wurde allerdings schnell klar, dass dieser Ort nicht mein Fall ist; jedes Seitenumblättern, jede noch so kleine Bewegung schien plötzlich ein unglaublich lautes und störendes Geräusch zu sein und – so war ich felsenfest überzeugt – brachte bestimmt alle anderen Lernenden aus dem Konzept. Und das mal ganz abgesehen davon, was für einen Krach ich wohl veranstaltet habe, wenn ich mal husten musste oder aufstehen und etwas in einem Nachschlagewerk anschauen wollte. Die ganze konzentrierte Lernatmosphäre war mir zu viel, zu verbissen und keineswegs inspirierend.

Zu Hause lernen wäre dann die nächste Idee. Leider ist auch das immer so eine Sache. Früher waren es meine MitbewohnerInnen, die zu gerne mit einem Kaffee und gemütlichem Schwatz in der Küche lockten, heute sind es die alltäglichen Versuchungen und Verlockungen, die meine Wohnung zu bieten hat – sei es nun der Fernseher, Bücher, die man eigentlich lieber lesen möchte, Wäsche, die gemacht und Zimmer, die plötzlich geputzt werden müssen, das Sofa, das zu einem Power-Nap in regelmässigen Abständen lockt oder eine Kombination mehrerer Faktoren. Lernen in den eigenen vier Wänden braucht mehr Selbstdisziplin, bringt aber trotzdem einige nicht zu unterschätzende Vorteile: Kaffeemaschine und Wasserkocher in Reichweite sorgen für den nötigen Koffein- und Flüssigkeitsnachschub, man kann sich schön ausbreiten und das Chaos auch über Nacht auf dem Tisch liegen lassen – darüber hinaus der Umstand, dass man nicht an irgendwelche Öffnungszeiten gebunden ist. Aber den ganzen Tag nur drinnen zu sitzen ist auch nicht das Wahre.

Cafés scheinen da eine gute Kompromisslösung zu sein: Man ist weg von zu Hause, unter Leuten und (je nach Jahreszeit) an der frischen Luft, aber doch nicht in einer zu angestrengten Lernatmosphäre wie in der Unibibliothek. Die meisten Cafés bieten mittlerweile gratis WiFi und lassen mich auch ruhig einen Nachmittag lang an einem Kaffee nippen, ohne mich rauszuschmeissen. Des Weiteren unterstützt man – je nach Wahl – ein lokales Geschäft und lernt – je nach Experimentierfreudigkeit – immer mal wieder ein neues schönes Eckchen in Basel kennen. Der Nachteil daran macht sich jedoch leider meist im ohnehin schon mageren Studi-Portemonnaie bemerkbar; jeden Tag in Cafés lernen liegt finanziell einfach nicht drin.

Bleibt also noch die Option, am Seminar zu lernen. Meist hat es ja dort gleich noch die dazugehörige Bibliothek, was einem unter Umständen das Hin- und Hertragen gewisser Bücher erspart, Wasserkocher und Kaffeemaschine gewähren auch hier die nötige Energieversorgung und es gibt immer ein paar Leute, die im gleichen Boot sitzen und es irgendwie schaffen, die perfekte Balance zwischen konzentriert arbeiten und Kaffeepause machen halten zu können. Ich muss zugeben, ich bin gerne am Seminar. Leider kommt es jedoch immer mal vor, dass ich bei einem Thema nicht weiterkomme und gerne was anderes machen würde, die dazu benötigen Unterlagen aber nicht mit eingepackt habe. Immer alles extra mitschleppen ist auch doof und unpraktisch.

Etwas zerknirscht komme ich also zum Schluss, dass es die perfekte Lernumgebung nicht gibt. Vor- und Nachteile finden sich überall und auch wenn ich mich heute zu Hause am wohlsten fühle, so kann sich das schon morgen wieder ändern. Letztlich zählt für mich aber nur eines: wo auch immer ich schlussendlich gelandet bin, bis jetzt konnte ich trotzdem noch alle meine Arbeiten fristgerecht einreichen. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.