Zitat der Woche: William Shakespeare, The Tempest

Zum 450. Geburtstag von William Shakespeare eines der schönsten Zitate des Barden: Prosperos Schlussrede aus «The Tempest» ist eine melancholisch-liebevolle Bilanz von Shakespeares Leben und Wirken.

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Am Ende von Shakespeares letztem Stück «The Tempest» beschwört Prospero die ganze Macht des Theaters in einem finalen Monolog. zVg

Shakespeare mag späteren Generationen vor allem als Bühnenzauberer bekannt geworden sein: Zahllose Kritiker und Schriftsteller widmeten dem Barden Biografien, Interpretationen seiner Werke und hoben den Dramatiker auf die Ebene eines Magiers, der es verstand, Figuren nicht bloss zu erschaffen, sondern darüber hinaus mit Leben zu erfüllen. Der Name Shakespeare wird seit der Romantik mit grossen Gefühlen, menschlichen Abgründen und dramatischen Entwicklungen verknüpft, und leicht vergisst man, dass hinter dem Idol ein Mensch stand.

Denn was Shakespeare auch auszeichnete, war ein Gespür für Geschäfte und Investitionen. Zeitlebens arbeitete er fürs Theater, war selbst Schauspieler, um seine neusten Dramen und Komödien zu popularisieren. 1599 bauten er und seine Mitschauspieler der Lord Chamberlain’s Men ein eigenes Theater südlich der Themse, welches bald als «The Globe» berühmt werden sollte. Woche für Woche pilgerten Bewohner Londons und Angereiste nach Southwark, wo neben dem Theater und den Aufführungen auch Marktstände und Strassenkünstler lockten. Shakespeare wurde durch Werbung und geschicktes Investieren ein reicher Mann, dem so genügend Zeit verblieb, um neue Stücke zu schreiben.

«The Tempest» ist das letzte Stück, welches Shakespeare alleine schrieb. Obwohl er bis zu seinem Tod 1616 noch weitere Dramen in Zusammenarbeit verfassen sollte, liest sich dieses Stück anders als die grossen Historien, Komödien oder Tragödien: Prospero, der Magier, der die Macht hätte, sämtliche anderen Charaktere zu vernichten oder wie Puppen zu dirigieren, ist seiner Kräfte müde. Ein letztes Mal setzt er sie ein, um schlussendlich ein gutes Ende herbeizusteuern und sich mit seiner Familie und seinen Feinden zu versöhnen. In einem abschliessenden Monolog schwört er der Magie ab, bricht seinen Zauberstab und versenkt sein Buch. Und hier, am Ende von Shakespeares Leben, tritt der Barde selbst hervor. Wie seine Figur Prospero bedankt er sich nicht nur bei seinem Publikum, sondern auch bei den guten Geistern des Theaters, die ihn bei der Ideensuche und beim Schreiben unterstützten. Shakespeare, der Geschäftsmann und Vielschreiber, inszeniert sich hier doch noch als Wortmagier und Zauberer, dessen letzter grosser Coup darin besteht, sein Werk abzuschliessen:

Ihr Elfen der Berge, Bäche, stillen Seen und Wälder;
und ihr, die ihr im Sand mit spurlosem Schritt
den ebbenden Neptun verfolgt und vor ihm flüchtet,
sobald er zurückkommt; ihr Winzlinge, die ihr
bei Vollmond ins Gras die giftigen Ringe färbt,
welche das Mutterschaf verschmäht; und ihr, die ihr
zur Kurzweil Mitternachtspilze spriessen lasst und euch freut,
wenn ihr das feierliche Abendläuten hört: Seid ihr auch
schwache Meister, so habe ich doch durch eure Hilfe
die Mittagssonne verdunkelt, die aufrührerischen Winde aufgerufen
und zwischen der grünen See und dem azurnen Himmel
tobenden Krieg entfacht: dem schrecklichen Dröhnen des Donners
gab ich Feuer bei, und spaltete Jupiters stämmige Eiche
mit dessen eigenem Keil; das festgegründete Vorgebirge
habe ich erschüttert und mit den Wurzeln die Pinie und die
Zeder ausgerissen; auf mein Geheiss haben Gräber
ihre Schläfer aufgeweckt, taten sich auf und gaben sie frei
durch meine mächtige Kunst. Doch solcher niederen Magie
schwöre ich nun ab; und habe ich erst die himmlische Musik
gerufen – was ich hiermit tue -, um meine Absicht ihren
Sinnen aufzuprägen, denen dieser luftige Zauber gilt,
so will ich meinen Zauberstab zerbrechen, ihn einige
Klafter in die Erde vergraben; und tiefer, als je ein Senkblei
lotete, will ich mein Buch versenken.

 

Ye elves of hills, brooks, standing lakes, and groves;
And ye that on the sands with printless foot
Do chase the ebbing Neptune, and do fly him
When he comes back; you demi-puppets that
By moonshine do the green sour ringlets make,
Whereof the ewe not bites; and you whose pastime
Is to make midnight mushrooms, that rejoice
To hear the solemn curfew; by whose aid —
Weak masters though ye be — I have be-dimm’d
The noontide sun, call’d forth the mutinous winds,
And ‘twixt the green sea and the azur’d vault
Set roaring war. To the dread rattling thunder
Have I given fire, and rifted Jove’s stout oak
With his own bolt; the strong-bas’d promontory
Have I made shake, and by the spurs pluck’d up
The pine and cedar. Graves at my command,
Have wak’d their sleepers, op’d, and let ‘em forth,
By my so potent art. But this rough magic
I here abjure; and, when I have requir’d
Some heavenly music — which even now I do, —
To work mine end upon their senses that
This airy charm is for, I’ll break my staff,
Bury it certain fathoms in the earth,
And, deeper than did ever plummet sound,
I’ll drown my book.

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