Universiphil1 #10: Es ist ein bisschen wie Lotto

Von Tante Étudiante

In ihrer neuen Kolumne reflektiert Tante Étudiante über die ideale Zusammenstellung eines Stundenplans fürs Semester, wozu neben guter Einteilung auch eine Portion Glück gehört.

Tante Étudiante zieht einen Vergleich, der auf den zweiten Blick gar nicht so weit hergeholt scheint. zVg

Zwei kleine Bemerkungen zum Titel gleich vorneweg: Erstens, gewinnen kann man nichts (ausser Erfahrung) und vielleicht ist der Vergleich auch ein wenig an den Haaren herbeigezogen; zweitens, ich meine nicht das Lotto, wo man sich für sechs x-beliebige Zahlen entscheidet und den Zettel dann am Kiosk abgibt, sondern das Lotto, das meist von kleinen Dorfvereinen zur Aufstockung des Vereinskässelis durchgeführt wird. Sie wissen schon, wo man mit mindestens einer (bis weissichnichtwievielen) Tafeln an den Tischen sitzt und jede Zahl, die aufgerufen wird, abdeckt und darauf hofft, 5 in einer Reihe zu haben, um danach mit einer gehörigen Portion Siegerstolz «Lotto!» zu rufen. Das gewonnene Rollschinkli isst man dann meist gleich am selben (oder aber sicher am nächsten) Abend und erzählt bis ins kleinste Detail, wie man zu diesem Preis gekommen ist («u denn, denn hanis eifach gwüsst, – i weiss nid wie – aber ig ha gwüsst dass wener jtz no ds 27 ufrüeft, denn hanis. U tatsächlech! Z’ersch isch jo zwar no ds 52 cho – das hani jo ou chönne bruche – aber denn, denn hanis eifach gschpürt und tatsächlech! Denn heter tatsächlech ds 27 usgruefe! Ig has zersch gar nid realisiert aber denn gsehni plötzlech dass die unterschti Reihe jo ganz abdeckt isch – u denn hani aber grad müesse pressiere mit Lotto rüefe, ig ha jo nid wöue dass s’Spiu witergeit, weni scho so Glück ha, grad im füfte Gang öppis z’gwinne…»).

Es ist also ein bisschen wie Lotto spielen. Die Uni, meine ich. Entweder man hat eine Dauerkarte wie in den Naturwissenschaften, mit den stets mehr oder weniger gleichen Zeiten und Fächern, oder man tauscht die Karten nach jedem Gang – sprich Semester – gegen neue aus. So kommt es mir zumindest vor. Das Vorlesungsverzeichnis gibt an, in welcher Reihenfolge die Veranstaltungen – sprich, die Zahlen – vorkommen, und für uns SpielerInnen bzw. StudentInnen geht es darum, diese auf der Lottokarte – dem Stundenplan – möglichst abzudecken. Lotto gibt’s, wenn der Stundenplan maximal gewinnbringend ausgefüllt werden konnte. Also wenn man all das machen kann, was man will – alternativ, muss – ohne dass es Überschneidungen gibt, mit den Arbeitzeiten der verschiedenen Nebenjobs kollidiert, und man am Schluss vielleicht sogar noch einen (Halb-)Tag frei hat. Man gewinnt zwar nicht jedes Semester, aber freut sich dafür umso mehr, wenn es einmal richtig schön aufgegangen ist. Ich jedenfalls spiele von Semester zu Semester immer wieder freudig mit und lasse meine Karte gerne auch mal voll werden. Dass ich das Rollschinkli – welches repräsentativ für ein leckeres Essen nach Wahl stehen soll – am Schluss zwar selber kaufen muss, spielt keine Rolle. Wenn ich das dafür an einem gemütlichen Abend nach einer erfolgreichen Woche an der Uni zusammen mit einer Runde guter FreundInnen teilen kann, dann habe ich wirklich allen Grund, «Lotto!» zu rufen.

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