Fräulein Ahs Weg – Ann Huis «Tao Jie»

Ah Tao (Deanie Ip) hat den Grossteil ihres Lebens als Bedienstete bei Rogers Familie gearbeitet. Roger (Andy Lau) ist ein erfolgreicher Filmproduzent in seinem heimatlichen Hong Kong. Die meisten anderen Familienmitglieder leben unterdessen im Ausland. Nach einem Schlaganfall will Ah Tao nicht mehr für Roger arbeiten – sie will ins Altersheim. Das Leben unter Menschen, die teilweise völlig auf Hilfe von aussen angewiesen sind und anderen, noch ziemlich aktiven Senioren gestaltet sich anfangs nicht ganz einfach – vor allem, weil sich Ah Tao ein Leben lang um andere gekümmert hat und ihren Alltag aktiv gestalten konnte. Doch dank Roger, der sie oft besucht, kann sich die nunmehr nicht mehr so aktive Ah Tao gut mit ihrem neuen Leben arrangieren.

Ann Huis «Tao Jie» (deutsch: Fräulein Tao) ist ein humorvoller, sehr menschlicher Film aus Hong Kong. Der Film, der auf wahren Begebenheiten basiert, erzählt eine Geschichte, wie sie zweifellos auch in Hong Kong immer typischer wird – alte Menschen, die nicht mehr für sich selber sorgen können, die zugleich aber nicht mehr bei ihrer Familie leben. Wobei Ah Tao gar keine Angehörigen mehr hat, ist es umso wichtiger, dass der an sich zweifellos vielbeschäftigte Roger sich um seine angebliche Patentante kümmert. Der Unterschied von Klasse und Alter könnte zwar wohl kaum grösser sein; aber für Roger ist es wichtig, nahe bei einer wichtigen Bezugsperson zu sein – eine Bezugsperson, die ihm vielleicht näher ist als seine eigene Mutter (Wang Fuli).

Copyright © 2011 by Distribution Workshop. All Rights Reserved.

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Obwohl sowohl Ah Tao als auch Rogers Familie Christen sind, pflegen sie eine sehr aufgeschlossene Version des Christentums: Ah Tao etwa gibt dem Mitpensionär Uncle Kin (Chin Pei) immer wieder Geld, das er aber nur im Bordell verprasst. Doch sogar nachdem Roger Ah Tao darüber aufgeklärt hat, gibt sie ihm noch weiter Geld. «Ich fühle mich sehr glücklich, diesen Film mit all den Elementen drehen zu können, die ich am meisten mag: eine reale Geschichte, eine dokumentarische Herangehensweise, Lyrik, Humor und Pathos», so die Regisseurin Ann Hui. Wichtig war ihr dabei auch, dass sie auch LaiendarstellerInnen verpflichten konnte. Deanie Ip ist übrigens im wirklichen Leben Andy Laus Patentante – ein weiterer Bezug zur Welt ausserhalb des Kinos.

«Tao Jie». Hong Kong 2011. Regie: Ann Hui.  Mit Deanie Ip, Andy Lau, Wang Fuli, Chin Pei, Jason Chan u.a. Zurzeit im Stadtkino Basel.


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