Universiphil1 #11: Minuten verloren – biete ein Znacht als Finderlohn!

Tante Étudiante auf der Suche nach der verlorenen Zeit: In ihrer neuen Kolumne reflektiert sie über Zeitersparnisse und -verluste, das leidige Addieren von verlorenen Minuten und den stets wiederkehrenden Versuch, noch ein bisschen mehr aus dem Tag herauszukitzeln.

Zeit vergeht und kehrt wieder und am Ende steht man wieder am Anfang: Die richtige Einteilung ist gar nicht so einfach. zVg

Zeit vergeht und kehrt zurück und am Ende steht man wieder am Anfang: Die richtige Einteilung ist gar nicht so einfach. zVg

Von Tante Étudiante

Pünktlich zum Semesterende und – traditionellerweise – dem Beginn mehrerer schriftlicher Arbeiten stellt sich bei mir eine neue paradoxe Zeitwahrnehmung ein: Ich sehe einerseits mehr freier Zeit (wohlgemerkt, nicht Freizeit!) entgegen durch die fehlenden Präsenzzeiten an der Uni, andererseits ist es mir trotzdem noch nie gelungen, alles zu erledigen, was ich mir jeweils für die vorlesungsfreie Zeit vorgenommen habe. Mein Blick schweift hier kurz zum Stapel ungelesener Bücher. Der Grund dafür – Sie haben es bestimmt schon geahnt: zu wenig Zeit. Das heisst natürlich nicht, dass ich nichts mache – im Gegenteil! Die Tendenz, den Tag mit immer mehr zu füllen, sobald etwas wegfällt, liegt in der Familie. Meine Grossmutter zum Beispiel hatte noch nie so viel los wie nach ihrer Pensionierung (wenn ich mal alt bin, will ich auch den ganzen Tag unterwegs sein und danach bis 3 Uhr morgens Kuchen fürs halbe Quartier backen!)… aber ich schweife ab. Es sind die «verlorenen Minuten» dazwischen, die sich aufaddieren, um schlussendlich die Summe «zu wenig Zeit» zu ergeben.

Woraus aber bestehen diese verlorenen Minuten? Es sind die kleinen Momente, die wir einfach noch ein bisschen vertrödeln anstatt effizient die Arbeit in Angriff zu nehmen. Wir haben sie alle in grösserem oder kleinerem Ausmass. Bei mir fängt es an bei den Extra-Minuten, die ich noch im Bett bleibe, um den vom unbarmherzigen Wecker angedrohten neuen Tag noch ein wenig vor mich herzuschieben. Das geht dann halt auf Kosten der einen Sache, die ich doch just an diesem Morgen noch hätte machen wollen/sollen/können, bevor andere Pflichten rufen. Ein paar Minuten jetzt, ein paar später, so geht das oft den ganzen Tag weiter. Ein bisschen länger frühstücken, ein bisschen länger Duschen, ein bisschen länger im Internet Blogs und News lesen, ein bisschen länger in der Stadt rumschlendern anstatt die Kommissionen fix zu erledigen, und so weiter… und schon ist es Abend und die To-do-Liste blieb grösstenteils unbeachtet. Es ist nie viel Zeit aufs Mal, es sind mal fünf Minuten hier, mal zwei Minuten dort.

Wenn ich aber zurückdenke, wo ich sie hätte einsparen können, wäre mein ungelesener Bücherstapel wohl kaum so hoch und ich hätte überdies nicht immer das Gefühl, ich hätte keine Zeit. Trotzdem geht es dann am nächsten Tag oft genau gleich weiter. Jetzt nimmt es mich aber trotzdem wunder – was sind denn die Zeitmanagements-Strategien der verehrten Leserschaft? Wie gehen Sie mit zu viel und zu wenig Zeit um, um dann trotzdem alles zu schaffen, was auf dem Plan stand? Kommentieren und teilen Sie Ihre Weisheit! Und für einen richtig guten Tipp, wie ich die verlorenen Minuten abbauen kann, lade ich gerne vor dem neuen Semester zum Abendessen ein – ich werde ja dann etwas Extra-Zeit angespart haben!