Dance with the Devil – Wayne Kramers «Pawn Shop Chronicles»

Zwei rassistische Meth-Junkies (Paul Walker und Kevin Rankin) versuchen, Geld aufzutreiben, um ihre Sucht zu finanzieren. Ein frisch verheirateter Brutalinski (Matt Dillon) entdeckt in einem Pfandleihgeschäft den Ring seiner plötzlich verschwundenen früheren Gattin. Ein glückloser Elvis-Imitator namens Ricky (Brendan Fraser) verkauft seine Seele dem Teufel…

Brendan Fraser als Elvis-Imitator Ricky. (Bild: zVg)

Brendan Fraser als Elvis-Imitator Ricky. (Bild: zVg)

Wayne Kramer überrascht nach «The Cooler» und «Crossing Over» mit «Pawn Shop Chronicles» – einer knallharten Horror- und Actionkomödie, in der der Teufel die Welt fest im Griff hat. Und nicht nur der Teufel selbst (oder der Typ, den Ricky für den Teufel hält), auch der von Elijah Wood dargestellte Johnny Shaw ist eine diabolische Figur. Die zwei rassistischen Meth-Junkies schliesslich sind zwar nur kleine Teufel; sie sind aber nur Mitglieder einer rassistischen Organisation, da sie auf die im Club angebotenen Würstchen nicht verzichten wollen. Kramers Film, der auf einem Drehbuch von Adam Minarovich basiert, fokussiert so einerseits auf das ganz banale Böse, andererseits aber auch auf ganz handfeste Ausbeutung – «Pawn Shop Chronicles» spielt im tiefen Süden der USA; vielleicht ist es ein Film über die Sklaverei – gleichzeitig ist das Thema Pornographie sowie die Kommerzialisierung der Religion sehr präsent. Der Film heisst schliesslich auch «Pawn Shop Chronicles» – der deutsche Titel «Gangster Chronicles» ist insofern höchst irreführend. Zwar kommen im Film jede Menge kriminelle Aktivitäten vor, aber die Menschen hier sind nicht Berufskriminelle wie Michael Corleone oder Tony Montana, sondern haben ganz andere Ziele. Und das Pfandleihgeschäft ist der Ort, an dem sich die verschiedenen Stories treffen. Zugegeben: der unterdessen in den USA eingebürgerte Wayne Kramer lässt im Grunde genommen alles offen – und seine frühere Heimat Südafrika ist ja in Sachen Rassismus und Sklaverei auch kein unbeschriebenes Blatt. Gut möglich also, dass ihn das Drehbuch auch deshalb angesprochen hat, weil darin Themen vorkommen, die auch Südafrika betreffen. Und die Sklaverei ist ja zweifellos eines der grössten Verbrechen überhaupt.

Ein Film, der zwar als Komödie daherkommt, aber doch so abgründig ist, dass an dieser Stelle zartbesaiteten Gemütern ausdrücklich vom Kinobesuch abgeraten werden muss. Wer sich allerdings für pulpige Streifen mit einer guten Dosis Exploitation erwärmen kann, darf Kramers neuen Film nicht verpassen. Sein letzter Film, der es hierzulande in die Kinos schaffte, war «Crossing Over», in der Kramer vielleicht nicht zuletzt seine eigene Einbürgerung verarbeiten konnte. Auch «Pawn Shop Chronicles» hat einen politischen Hintergrund – auch wenn dieser so ambivalent ist, dass viele den Film für eine reine Fingerübung in Sachen mangelnde PC halten werden. Wer Kramers andere Filme kennt, wird aber doch zum Schluss kommen, dass der Regisseur hier noch andere Ziele vor Augen hat.

«Pawn Shop Chronicles». USA 2013. Regie: Wayne Kramer.  Mit Paul Walker, Matt Dillon, Brendan Fraser, Vincent D’Onofrio, Elijah Wood, Kevin Rankin, Norman Reedus u.a. Premiere im B-Movie Basel am 9.10.2014; Spielzeiten: www.b-movie.ch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.