Der Gott des Gemetzels – Damián Szifrons «Relatos salvajes»

Fremde in einem Flugzeug, die sich aber alle kennen. Zwei Männer und ihr Konflikt. Ein Mann und sein Rachefeldzug gegen den Staat. Und am Schluss: der ewige Kampf zwischen Mann und Frau. In Damián Szifrons Episodenfilm herrscht der Gott des Gemetzels fast unangefochten.

Es sind sechs Geschichten, die in Damián Szifrons Film erzählt werden. In vier von fünf Episoden steht die Fortbewegung im Mittelpunkt: dreimal geht es ums Autofahren, eine Episode spielt an einer Hochzeit. Doch mehr sei hier nicht verraten, den Damian Szifróns Film lebt nicht zuletzt von der Überraschung. Wie reagieren die Menschen auf widrige Umstände? Weshalb machen die Menschen einander das Leben zur Hölle?

In Damián Szifrons Episodenfilm ist alles etwas anders - so auch dieses Geburtstagsfest mit Papa Ricardo Darín. (Bild: zVg)

In Damián Szifrons Episodenfilm ist alles etwas anders – so auch dieses Geburtstagsfest mit Papa Ricardo Darín. (Bild: zVg)

Damián Szifron gibt keine Antworten; ausser vielleicht ganz am Schluss. Seinem Film geht zwar die Dringlichkeit von anderen argentinischen Filmen wie «Un oso rojo» oder auch «Carancho» ab und auch mit dem leider verstorbenen Fabián Bielinsky kann er es wohl nicht aufnehmen. Trotzdem ist es ein gelungenes, gut abgeschmecktes, unterhaltsames Werk – allerdings natürlich nichts für Zartbesaitete (aber trotzdem durchaus für ein breiteres Publikum gedacht). Tiere kommen im Film keine vor – ausser im Vorspann. Die Vermutung, dass hier eben gezeigt werden soll, dass auch die Menschen im Grunde nur Tiere sind, ist mehr als nur naheliegend. Darin liegt aber wohl auch das Problem, denn natürlich sind eben die Menschen ganz spezielle Tiere, da sie ihr Handeln reflektieren können (auch wenn nur bis zu einem gewissen Grad).

Vor allem ist hier problematisch, dass es nicht oder zumindest nicht in erster Linie die politischen Strukturen sind, die gezeigt werden, sondern nur Menschen, die mit ihren ganz persönlichen Problemen beschäftigt sind und deshalb auch keine politischen Antworten finden können. Zwar ist in einer Episode der Umgang mit den Behörden Thema; aber die Möglichkeit, politisch etwas zu verändern, erscheint an keiner Stelle. Es geht also Szifrón eindeutig um die angeblich tierische Natur des Menschen. Gerade auch diese Stossrichtung zeigt, dass der Film im Grunde genommen als eher harmlos zu deuten ist, da er den Status quo letztlich nicht in Frage stellt.

«Relatos salvajes». Argentinien/Spanien 2014. Regie: Damian Szifrón. Mit Ricardo Darín, Rita Cortese, Darío Grandinetti, Gustavo Curchio, Pablo Chao u.a. Deutschschweizer Kinostart: 8.1.2015.

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