gesichtet #77: Das Gruppen-Mosaik am Rheinufer

gesichtet #77: Das Gruppen-Mosaik am Rheinufer

Von Michel Schultheiss Rauchschwaden, Wickelfische, Bierdosen und jede Menge fröhliche Leute: Das ausgelassene Feiern am Rheinufer ist vom sommerlichen Basel nicht mehr wegzudenken. In den letzten Jahren sorgten lange Debatten über Wegwerfgrills, Beschwerden der Nachbarn und die neuen Buvetten für reichlich Gesprächsstoff. Immer wieder geistert auch der Begriff der Mediterranisierung…

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Versuch über Poetik – Andy Strässle über Marlene Streeruwitz‘ Vorlesungen

Versuch über Poetik – Andy Strässle über Marlene Streeruwitz‘ Vorlesungen

Die Tübinger und Frankfurter Vorlesungen von Marlene Streeruwitz zur Poetik sind lesens- und bedenkenswert. Auch wenn sie die Frage nach einer weiblichen Ästhetik in der Literatur zwar stellen, aber nicht beantworten. Was wohl Absicht ist. Der Kontext ist der: Vor den Vorlesungen von Marlene Streeruwitz war eines der drei letzten…

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Mehr als ein Kuriositätenkabinett: Die Welten des Gabriel García Márquez

Mehr als ein Kuriositätenkabinett: Die Welten des Gabriel García Márquez

Von Michel Schultheiss Die letzten Monate waren geprägt von grossen Verlusten für die lateinamerikanische Literatur: Mit Carlos Fuentes, Juan Gelman, José Emilio Pacheco und nun Gabriel García Márquez sind vier sehr unterschiedliche, doch allesamt brillante Stimmen verstummt. Allen gemeinsam ist, dass sie sich in Mexiko-Stadt ihre letzten Tage verbrachten. Mit…

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gesichtet #63: «Ich bin reich, gut aussehend und habe schon gegessen»

gesichtet #63: «Ich bin reich, gut aussehend und habe schon gegessen»

Von Michel Schultheiss Die Mittlere Brücke in Basel ist um ein Spektakel reicher. Weder ist weder von Eric Webers Ausraster noch von den Liebesschlössern am Gitter des Käppelijoch die Rede. Es sind auch nicht die Akkordeonisten, Bettler, Missionare, Politiker oder Fundraising-Beauftragte gemeint, welche beim dort die Aufmerksamkeit der Fussgänger fordern.…

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gesichtet #58: Littering-Poesie aus Kleinhüningen

gesichtet #58: Littering-Poesie aus Kleinhüningen

Von Michel Schultheiss Ausnahmsweise wird keine eine entlaufene Katze gesucht. Es wird auch nicht die Ausrufung der Monarchie angekündigt, kein Rheinhattan versenkt und schon gar kein Marabout bekannt gemacht. Bei den Zetteln, welche bisweilen an den Kleinhüninger Sitzbänken kleben, geht’s um etwas anderes: Mit Vierzeilern soll die Aufmerksamkeit der Passanten…

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gesichtet #57: Die Mär vom Untergang der «Sonne»

gesichtet #57: Die Mär vom Untergang der «Sonne»

Von Michel Schultheiss Der amerikanische Jazz-Pianist Horace Silver und das Dancing «Sonne» an der Rheingasse haben etwas gemeinsam. Musikalisch mögen sie das Heu nicht auf der gleichen Bühne haben – zwischen Hard Bop und Party-Krachern liegen schliesslich Welten. Beiden wurde aber kürzlich die Ehre zuteil, fälschlicherweise totgesagt zu werden. Während…

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gesichtet #56: Ein Medizinmann aus Basel

gesichtet #56: Ein Medizinmann aus Basel

Von Michel Schultheiss Die Luft ist geschwängert vom Zimtduft der Räucherstäbchen. Italienische Barockmusik ist zu hören. Tropische Pflanzen, indianisches Kunsthandwerk und farbenkräftige Bilder des Künstlers Élon Brasil legen nahe, dass es sich hier um eine besondere Praxis handelt. Auch der Behandelnde ist eine Erscheinung für sich: Bekleidet mit einem Lendenschurz…

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Flower Power: Eine kleine Kulturgeschichte der Pflanzen

Flower Power: Eine kleine Kulturgeschichte der Pflanzen

Von Tanja Hammel Menschen wissen wenig über Pflanzen. Dieses Unwissen hat sie seit jeher dazu verleitetet, Pflanzen zu ignorieren oder misszuverstehen –  insbesondere im Westen, seit Platon und Aristoteles ihre anthropozentrische Weltsicht propagierten. Das Christentum, Thomas Aquin sowie Albertus Magnus im Mittelalter, sowie Descartes und Hegel haben diese massgebend verstärkt…

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gesichtet #55: Die Protest-Passage und die Steinewerfer

gesichtet #55: Die Protest-Passage und die Steinewerfer

Von Michel Schultheiss Sie sind als Schleichwege bekannt: Verwinkelte Gässlein oder finstere Fussgänger-Passagen, die nicht einmal auf Google Maps zu finden sind. Dennoch sind sie nicht zu unterschätzen – schliesslich vermeidet man dank ihnen grössere Umwege. Zudem sind diese Weglein bisweilen noch richtige Trampelpfade im Vergleich zu den gepflegten grösseren…

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Aktenzeichen XY: Die ausgepresste Generation

Aktenzeichen XY: Die ausgepresste Generation

Von Tara Hill Was mich an der gegenwärtigen Diskussion über die zunehmend auseinanderdriftende Einkommensverteilung irritiert, ist das stets zu hörende Totschlagargument «jeder kann es schaffen, wenn er will: der Schlüssel ist Bildung und harte Arbeit» (der klassische «amerikanische Traum»). Meine beiden Grossväter selig hatten keinen grösseren Wunsch als zu studieren…

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gesichtet #53: Prominente Unterstützung für den König – Dom Manuel III meets Eric Weber

gesichtet #53: Prominente Unterstützung für den König – Dom Manuel III meets Eric Weber

Von Michel Schultheiss Seelenruhig verharrt er mit den Flyern und Plakaten vor dem Rathaus. Die vorweihnachtliche Einkaufshektik mag ihn nicht aus der Ruhe bringen. Ihre Majestät Prinz Dom Manuel III de Portugal Hohenzollern Borbone Bourbon Bragança führt dort weiterhin die Manifestation der Monarchie durch. Der verhinderte König von Portugal, dessen…

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gesichtet #52: Porno, Poulet und Poetry Slam – über den Wandel am Burgfelderplatz

gesichtet #52: Porno, Poulet und Poetry Slam – über den Wandel am Burgfelderplatz

Von Michel Schultheiss Beim Burgfelderplatz wurde schon mal zu nächtlicher Stunde ein Mann tot aufgefunden. Hardy war der Name des Ärmsten. Es war der Kommissär, der – etwas angetrunken aus seinem Lieblingslokal stapfend – den schrecklichen Fund machte. So ist es zumindest in Hansjörg Schneiders Roman «Hunkeler macht Sachen» aus…

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gesichtet #50: Jahrmarkt-Schauermärchen einst und jetzt

gesichtet #50: Jahrmarkt-Schauermärchen einst und jetzt

Von Michel Schultheiss Eines schönen Tages geschah Sonderbares mit der «Enterprise». Das beliebte Kopfüber-Fahrgeschäft aus den Siebzigerjahren drehte wie gewohnt seine rasanten Runden. Dann aber wollte der fliegende Bau mit den Gondeln, die an Bügeleisen erinnerten, einfach nicht mehr stoppen. In einem Affenzahn drehte der rund zwanzig Meter hohe Radkranz…

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gesichtet #48: Die Mühle des Wissens (Zweiter Teil)

gesichtet #48: Die Mühle des Wissens (Zweiter Teil)

Von Michel Schultheiss Skripte, Repetitorien, Nachschlagwerke, Notebooks, und Leuchtstifte belegen die Lesetische. Hinzu kommt die eine oder andere Mineralwasserflasche – die nach den Hausregeln einzige gestattete Form der Lebensmittelversorgung im Lesesaal der Basler Uni-Bibliothek. Neben den Tischen seit jüngster Zeit auch Plastikkörbe mit dem Logo der Basler Kantonalbank. Anscheinend sollen…

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gesichtet #40: Da Vincis Notizbuch

gesichtet #40: Da Vincis Notizbuch

 Von Michel Schultheiss Zu abendlicher Stunde sind unerwartete Kneipenbegegnungen keine Seltenheit. Egal ob redselige Tischgäste, Blumenverkäufer oder Studentinnen, die Zigarettenmarken promoten – vieles ist zu diesen Uhrzeiten keineswegs überraschend. Es gibt aber jemanden, der auch beim abgebrühtesten Bargänger immer wieder für Verwirrung sorgen kann. Die Szene spielt sich meistens so…

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Deine Box, meine Box. Die Box ist für alle da – Romana Ganzoni über Sexboxen, die «Schweizer Illustrierte» und Foucault

Deine Box, meine Box. Die Box ist für alle da – Romana Ganzoni über Sexboxen, die «Schweizer Illustrierte» und Foucault

Von Romana Ganzoni Was man in den neu geschaffenen Sexboxen sonst noch alles so treiben kann, vom Austarieren des Triebhaushaltes  abgesehen, skizziert Romana Ganzoni in diesem wunderbar subjektiven und ironischen Text. Empfohlene Begleitlektüre: die «Schweizer Illustrierte». Wie jedem normal empfindenden Menschen gefällt auch mir die «Schweizer Illustrierte», und wie jeder…

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209 Jahre Schweizer National-Epos – Dominik Riedo über Schiller und Schillers Tell

209 Jahre Schweizer National-Epos – Dominik Riedo über Schiller und Schillers Tell

Dominik Riedo widmet sich Schiller und Schillers Tell. Er zeigt eine Tradition der Geschmäcklerischkeit, die  auf Tell als Handelnder und Revolutionär konzentriert. In einer solchen Optik bleiben Schillers differenzierenden philosophischen Überlegungen und Abwägungen auf der Strecke. Höchste Zeit für neue Auseinandersetzungen mit diesem Text. Wie die Zeit vergeht: Erstdruck von…

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Aus dem Schweizer Nationaltheater – Martin Stohler über das nationale Sommertheater 2013

Aus dem Schweizer Nationaltheater – Martin Stohler über das nationale Sommertheater 2013

In den Monaten vor der Sommerpause inszenierte Chefdramaturg Christoph Blocher im Schweizer Nationaltheater (SNT) den ersten Teil des Dramenzyklus «Der stille Staatsstreich der Classe politique». Das Stück mit dem Titel «Der erste Schritt – die Volkswahl des Bundesrats» fiel bei Publikum und Kritik durch. Trotzdem will Theaterleiter Blocher dem Vernehmen…

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gesichtet #39: Die Ecke der Computer-Nostalgiker

gesichtet #39: Die Ecke der Computer-Nostalgiker

Von Michel Schultheiss Die bläulich schimmernden Schachteln ergänzen sich prima mit den zerfallenden Zimmerpflanzen. Das Windows 98-Handbuch gibt womöglich einen Hinweis darauf, wann die Schaufensterauslagen zuletzt gewechselt wurden. Die sichtlich verblichenen Farben geben verleihen dem Schaufenster somit einen Hauch von Software-Museologie. Nach all den hier beschriebenen bemerkenswerten Geschäften an der…

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Zaubers Anfang und Ende – Andrew Shields über Joyces «Dubliners»

Von Andrew Shields Andrew Shields arbeitet in seinem Essay mit sicherem Blick für blinde Flecken Mehrdeutigkeiten heraus. Sein Befund: die Träumereien der «Dubliner» haben grammatikalische Sollbruchstellen, die bei aufmerksamen Lesen nachgeben und uns in die Tiefe reissen. In «A Little Cloud», der mittleren der fünfzehn Geschichten in James Joyce’s «Dubliners»,…

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gesichtet #35: Ein Basar in der Bauzone

gesichtet #35: Ein Basar in der Bauzone

Von Michel Schultheiss Ein alter Schweizer Armeehelm, eine Papstbüste, ein Krokodil-Präparat sowie ein Sousaphon-Trichter werden feilgeboten. Nebst Kettensägen und alten Fasnachtsblaggedde fällt auch ein seltsames Saiteninstrument auf. «Keine Ahnung, wie dieses Instrument heisst – hab ich in Ägypten oder Tunesien gefunden», erklärt der Verkäufer. Nicht nur Trouvaillen dieser Art lassen…

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gesichtet #33: Berlusconis Altherren-Fantasien

gesichtet #33: Berlusconis Altherren-Fantasien

Von Michel Schultheiss Wenige Basler Bars haben bei der Namensgebung derart auf das Zeitgeschehen geachtet wie diejenige an der Ecke Klybeck-/Offenburgerstrasse. War das Lokal vor wenigen Jahren noch unter dem seltsamen portugiesisch-englischen Wortkonstrukt «Novo Help» und später als «Red Royce» bekannt, so präsentiert es sich nun viel direkter und unverblümter.…

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