gesichtet #149: Wo sich Fuchs- und Hasenweg gute Nacht sagen

Von Michel Schultheiss

Basel hat so einige versteckte Gassen, Riehen dafür ein paar geheime Weglein. Manchmal handelt es sich um Bauprojekt, die buchstäblich auf halbem Weg stehen geblieben sind. Dazu etwa die Trampelpfade, die sich durch das Gestrüpp zwischen der Bosenhalde und dem Hinterengeli schlängeln und in den Hohlweg münden.

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Amtlich benannt, doch nie gebaut: Passend zu seinem Namen bleibt der Riehener Fuchsweg bis auf Weiteres ein Schleichweg (Foto: smi).

Ziemlich passend zu diesem Dasein als Schleichweg ist einer davon als Fuchsweg bekannt. Es ist wohl diejenige «Strasse», die am schwierigsten zu finden ist. Sie ist nämlich nicht einmal beschildert, hat aber unter der offiziellen Bezeichnung Fuchsweg schon einige Jahre auf dem Buckel. Der Gemeinderat beschloss bereits 1978 die Umbenennung des Teilstücks der Hungerbachhalde zu Ehren des schlauen Tiers. Laut Namenbuch von Jürgen Mieschke und Inga Siegfried wurde bei der Gemeinde argumentiert, dass es früher mal Fuchsbauten beim Hohlweg gesichtet wurden. Ähnlich wie bei vielen Strassennamen mit Agrarbezeichnungen – man denke etwa an die Roggen- oder Kornfeldstrasse – schwinge bei diesen Namen das Bedürfnis mit, den «ländlichen Charakter von Riehen» zu unterstreichen.

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Bei diesem Häuschen führt ein Trampelpfad vorbei, für den einmal – passend zum Fuchs weiter unten – der Name Hasenweg ins Spiel gebracht wurde. Statt Meister Lampe sind hier aber im Sommer vor allem Schafe zu sehen (Foto: smi).

Planungsleiche Fuchsweg, Papiertiger Hasenweg

Wie auch immer der Fuchs zu seinem Weg kam: Es handelt sich jedenfalls um eine Erschliessungsstrasse mit Kehrplatz zwischen Steingrubenweg und dem Bosenhaldenwegli. Wie ein Foto aus dem Staatsarchiv zeigt, führte der Weg schon 1979 als Trampelpfad auf eine Wiese hinaus. 2005 ist etwa einer erstaunten Leserbriefschreiberin in der «Riehener Zeitung» diese Planungsleiche aufgefallen. Sie fragte sich, ob denn jemand den Fuchsweg kenne.

Mittlerweile stehen die Bosenhalden-Neubauten gleich nebenan, der besagte Weg bleibt aber noch immer ein Phantom. Während er im kantonalen Parzellenplan als Fuchsweg zu finden ist, bleibt er bei «Google Maps» noch immer ein Teil der Hungerbachhalde. Beim Basler Geoportal ist er hingegen als Strasse zwischen Steingruben- und Hohlweg zu sehen.

Fuchsweg 2

Zwischen Hohlweg, Bosenhalde und Hinterengeli ist der wilde Pfad zu finden. Es ist vielleicht einer der letzten, der noch ein solches ländliches Bild von Riehen abgibt (Foto: smi).

Die Erklärung ist einfach: Die Bau- und Strassenlinien wurden schon lange festgelegt, der Weg ist aber noch nicht gebaut. Er blieb lange Zeit ein improvisierter Erschliessungsweg durchs Grüne, was sich aber einmal ändern könnte. Nach Auskunft der Abteilung Bau, Mobilität und Umwelt bei der Gemeinde Riehen wurde in den letzten Jahren auf den Abschluss der Zonenplanrevision gewartet, weil diese eine Erweiterung der Bauzone vorsah. Ob Reineke damit tatsächlich zu einem richtigen Weg kommt, ist aber noch nicht besiegelt: Für den Bau des Fuchsweges sei ein Kreditbeschluss des Einwohnerrats notwendig. Ein Zeitpunkt für den Bau der Strasse sei noch nicht festgelegt. Zuerst müsse ein Bebauungskonzept für dieses Areal vorliegen. Bis es soweit ist, bleibt es also noch bei einem Feld- und Schotterweg.

Auch Michael Raith fiel 2002 als Präsident der Nomenklaturkommission dieser bereits benannte, doch ungebaute Weg auf; ebenso der Ableger Fuchswegli zwischen Hohl- und Steingrubenweg, der ebenfalls 1978 benannt wurde. «Der Name erinnnert an die dort früher – und auch jetzt wieder – häufig auftretenden Hühner jagenden Füchse», hielt er in einem Ideenpapier der Kommission fest. Dabei fiel ihm noch ein anderer Weg ganz in der Nähe auf. Er schlug vor, dieser weiteren Achse östlich des Fuchswegs einen Namen zu verleihen. Er meinte wohl den kleinen Graspfad in Richtung Hohlweg, der weiter oben an den Gärten vorbeiführt. Dieser endet buchstäblich dort, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Um dem Volksmund gerecht zu werden, wollte ihn Raith auf den Namen Hasenweg taufen. Auch dieser Vorschlag wurde bis jetzt nicht umgesetzt. Zudem tummeln sich dort im Sommer weniger die Hasen, sondern Schafe.

Noch mehr Tierisches vom Bärenwegli und Hufeisengässchen

Tierische Namen sind in Riehen generell verbreitet. Wie im Namenbuch zu lesen ist, wurde bereits im 14. Jahrhundert in den Zinsverzeichnissen des Klosters Klingental eine Katzengasse bei der Wiese erwähnt. Neueren Datums ist hingegen das Salamanderwegli von 2010, gleich in der Nähe der Froschweiher im Autäli. Beim Ausserberg kamen im 20. Jahrhundert bereits Vogelnamen in Mode, wie Eulen-, Specht-, Elstern- und Sperberweg schön zeigen. Mit Gänshaldenweg, Kuhstelli, Hirzenstrasse und Bockrainweg sind weitere Vertreter aus der Fauna in der Namensgebung verewigt.

Bärenwegli

Reineke Fuchs gibt’s noch nicht, dafür aber Meister Petz: Das Bärenwegli in der Nähe der Grenze zu Lörrach ist eine Gasse neueren Datums (Foto: smi).

Eine Glastür an der Lörracherstrasse führt ausserdem zu einem dunklen Korridor, der tatsächlich als «Bärenwegli» beschildert ist. Der Zugang mündet aber nicht etwa in ein Mehrfamilienhaus, sondern verläuft als Fussweg weiter in einen Innenhof und schliesslich als Treppe hinauf zum Haselrain. Wie kam es zu dieser kindlich klingenden, aber hochoffiziellen Bezeichnung für diesen «Geheimgang»? Laut Namenbuch war die Metallbaufirma Vohland & Bär ab 1946 rund ein halbes Jahrhundert auf dem Areal präsent. Somit erinnert der Schleichweg an den Familiennamen und zugleich an Meister Petz.

Ein winziges Gässlein zwischen Wendelins- und Rössligasse hat ebenfalls eine «tierische» Geschichte. Der Name Hufeisengässchen soll daran erinnern, dass früher bei der Schmiede Lemmenmeier Pferde beschlagen wurden. Der Vorschlag wurde zunächst vom Gemeinderat abgelehnt, da er ihm «zu schlicht» war. Michael Raith seinerzeit dafür, dem Weg die Bezeichnung Silbergässchen zu verleihen. Das wäre ein ironischer Kniff gewesen: Es sei eher ein «schmales und ungepflegtes Gässli», während in Riehen eine Tradition bestehe, Tatsächliches durch sein Gegenteil auszudrücken. Das wurde (auch wenn das nicht eindeutig belegt ist) auch bei der Schlossgasse im 19. Jahrhundert so gemacht, wo keine Edelbauten bekannt sind. Die Ironie kam nicht gut an: Schliesslich wurde der Durchgang 2010 dann doch zum Hufeisengässchen

Dieser Text basiert auf einem zweiteiligen Artikel des gleichen Autors in der «Riehener Zeitung» vom 7. und 13. April 2017 wie auch auf einem Dreiteiler zum Thema Basler Gassen in der TagesWoche

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