Delon und Melville – Zur Retrospektive Alain Delon im Stadtkino Basel

Zurzeit sind im Stadtkino Filme mit Alain Delon zu sehen. Besonders interessant sind dabei die unter der Regie von Jean-Pierre Melville entstandenen.

von Ottokar Schnepf
Alain Delon in einer seiner grössten Rollen. (Bild: zVg)

Alain Delon in einer seiner grössten Rollen. (Bild: zVg)

Als Filmliebhaber spricht man im gleichen Atemzug neben Delon auch den Namen Melville aus. Weil Melville, der Filmemacher, und Delon, der Filmstar, zusammen drei einzigartige Filme gedreht haben. Zum Beispiel 1967 «Le Samouraï». Alain Delon spielt den einsamen, wortkargen Profikiller Jeff Costello, der wie ein einsamer Tiger auf der Flucht vor seinem Auftraggeber und der Polizei durch Paris hetzt. «Le Samouraï» komme seiner Vorstellung von einem perfekten Film so nahe wie kein anderer, meinte Melville.
Dieser «Farbfilm in Schwarzweiss» (Melville) hat Alain Delon zum internationalen Durchbruch verholfen. Der schönste Killer der Kinogeschichte ist er bis heute geblieben. Und der einzige Weltstar, der sich als «l’homme solitaire» (Melville) selbst erschaffen hat.
Es folgten zwei weitere Melville-Filme. In «Le cercle rouge» (1970) ist Delon neben Yves Montand und Gian Maria Volonté ein weiterer Gangster, die beim Einbruch in ein Juweliergeschäft in eine Falle der Polizei geraten. „Ein Thriller, hart wie Granit, kalt wie Polareis und logisch wie eine mathematische Gleichung“, mit diesem Anreisser wurde der Film mit Recht damals angekündigt.
«Un flic» ist der letzte unter Melville entstandene Film (er starb 1973); Alain Delon spielt hier erstmals einen Polizisten.
Wiederum sind die Geschehnisse in verwaschene Farben und fahles Licht getaucht. Wiederum vergehen nervenaufreibende Minuten, bis ein Wort gesprochen wird unter den Gangstern beim Überfall auf eine Bank. Und wiederum läuft der Coup wie ein Uhrwerk ab. Und einmal mehr ist es Delons Charisma und Konsequenz, mit denen er auch als «flic» dem Handwerk nachgeht, das er mit traumwandlerischer Sicherheit beherrscht.
Melville ist der Grösste! Das sagt kein Geringerer als der chinesische Filmemacher John Woo, der 2010 in Venedig mit dem Goldenen Löwen für sein Schaffen ausgezeichnet wurde. Der Action-Spezialist des Hongkong-Kinos ist nicht der einzige Melville-Verehrer. Für Regisseure wie Jim Jarmusch, Aki Kaurismäki oder Quentin Tarantino gilt Melville ebenfalls als Vorbild.

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