Kanadische Flittertage – Leigh Janiaks «Honeymoon»

Leigh Janiaks Debut ist ein starker Horrorfilm, in dem der Schrecken langsam kommt, dann aber mit überraschenden Wendungen brilliert.

Bea (Rose Leslie) und Paul (Harry Treadaway) haben soeben geheiratet. In Kanada, an einem See, befindet sich das Haus von Beas Eltern; dort wollen sie ihren «Honigmond» feiern. Doch während Bea unbedingt baden will, ist Paul dem nassen Element eher abgeneigt. Schliesslich lernt Paul Will kennen, einen Ex von Bea, der mit seiner Frau Annie in der Nähe lebt. Aber weshalb will Will den zwei Frischverheirateten in seinem Laden nichts verkaufen? Und weshalb wirken sowohl Will als auch Annie vor allem verwirrt? Nach einem schlafwandlerischen Ausflug in den Wald scheint auch Bea verändert…

Diese Flitterwochen haben eine ungeahnte Wendung genommen...  (Bild: zVg)

Diese Flitterwochen haben eine ungeahnte Wendung genommen…
(Bild: zVg)

Nach «Coherence» zeigt das B-Movie in Basel einen weiteren Horrorfilm, der streckenweise an die «Body Snatchers» erinnert, aber auch «Evil Dead» und «Cabin in the Woods» kommen in den Sinn. Es sind viele Topoi des Horrorfilms, die Regisseur und Ko-Drehbuchautor Leigh Janiak hier präsentiert; trotzdem ist der Film aber durchaus originell zu nennen. Bea heisst nicht von ungefähr Bea, denn einerseits will sie Paul glücklich machen (lat. beatrix = die Beglückende; zu lat.  beatus), andererseits sucht sie ihren eigenen Weg (lat. viatrix = die Reisende auf dem Weg des Lebens), und auch Pauls ebenso lateinischer Name (paulus = der Kleine) verweist auf seinen nicht sonderlich machomässigen Appeal. Will hingegen ist scheinbar ein richtiger Kerl – und er spricht offenbar französisch, wie auch Bea. Auch hier fühlt sich der zweifellos monolinguale Paul unterlegen.

Honeymoon oder lune de miel; zu Deutsch Flitterwochen – im Fall von Bea und Paul sind die ersten Brüche im Eheglück bereits ganz früh erkennbar, es handelt sich also eher um Flittertage. Aber gehören die Brüche nicht dazu? Und mal ganz im Ernst: wer will die Flitterwochen denn schon in einer «cabin in the woods» verbringen? «Honeymoon» ist ohne Wenn und Aber ein empfehlenswerter Horrorfilm; Fans des Genres werden begeistert sein. Und dies nur am Rande: das Wasser hat hier eine ganz andere Bedeutung als in Robert Rodriguez’ Body-Snatchers-Variation «The Faculty». Die menschliche Identität ist hier aber auch in Gefahr – mehr sei aber nicht verraten. Nur noch dies zum Schluss: Paul nennt Bea immer wieder «honeybee», also Honigbiene. Dies erinnert auch an den Titel bzw. an die Flitterwochen (engl. honeymoon) – aber vielleicht ist gerade dies das Problem: diesem infantilen Bild kann Bea natürlich nie gerecht werden; auch wenn ihr Name natürlich gleich ausgesprochen wird.

«Honeymoon». USA 2014. Regie: Leigh Janiak. Mit Rose Leslie, Harry Treadaway, Ben Huber, Hanna Brown u.a. Zurzeit im Filmclub B-Movie; Spielzeiten siehe www.b-movie.ch

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