Die Würde des Fu Manchu – Don Sharps «The Face of Fu Manchu»

Der vor kurzem verstorbene Christopher Lee war vor allem als Dracula, Saruman und Count Dooku zu einer Ikone geworden. Es lohnt sich aber auch, seine Darstellung des chinesischen Erzschurken Fu Manchu zu begutachten.

Das kaiserliche China. Endlich haben die Autoritäten den Erzschurken Fu Manchu (Christopher Lee) geschnappt. Er wird exekutiert – in Anwesenheit seines Erzfeindes,  Dennis Nayland Smith (Nigel Green). Doch war es wirklich Fu Manchu, der hingerichtet wurde? Sir Dennis und sein Freund Petrie (Howard Marion-Crawford) besuchen einen sinistren Geschäftsmann namens Gustav Hanumon (Peter Mossbacher). Seine Sekretärin ist eine alte Bekannte: Fu Manchus Tochter Lin Tang (Tsai Chin)…

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Zwar ist Fu Manchu unterdessen kein bekannter Name mehr; vor allem verglichen mit Dracula, aber auch Saruman und Count Dooku, den rezenteren Bösewichtern, die Christopher Lee interpretieren durfte, sind wohl gerade jüngeren Semestern eher ein Begriff. Und nicht nur hartgesottene Bond-Fans werden sich an den ebenfalls von Christopher Lee dargestellten Francisco Scaramanga erinnern. Ja, der Sohn einer italienischen Gräfin und eines Engländers hat in seinem Leben sehr vielen Bösewichtern sein Gesicht geliehen – seine allerliebste Rolle war wohl die des atavistischen Adligen im brillanten Horrorfilm «Wicker Man». Von allen  Draculafilmen war der erste aus der Hammer-Serie, «Horror of Dracula» aka «Dracula», sein liebster, und von allen Fu-Manchu-Filmen war ebenfalls der erste sein liebster, wie Lee selber in einem Interview auf der französischen DVD sagt. Tatsächlich ist «The Face of Fu Manchu» ein B-Movie, das keine Wünsche offenlässt – und dies, obwohl der Film in Irland und keineswegs in China gedreht wurde. Auch der Unter-Bösewicht Hanumon ist dabei kein Chinese (wie auch Lee keiner war), bezeichnenderweise erinnert sein Name an einen indischen Gott, und auch Fu Manchus Killer, burmesische Dacoits (Banditen), töten zu Ehren der Göttin Kali – mit tibetischen Gebetsschälen notabene! Auch in Sax Rohmers Romanen (erster Roman: 1913), auf denen die Filme basieren, sind Fu Manchus Helfer meist nicht Chinesen, sondern Burmesen, Levantiner und andere – in Sax Rohmers Weltsicht – unzuverlässige Elemente.

Fu Manchu mag eine rassistische Figur sein, die Figur ist aber unterdessen so camp, dass sie schon beinahe als harmlos erscheint. Auch die Filme aus den 60er und 70er Jahren waren denn auch alle in der Vergangenheit angesiedelt: anders etwa als ein James Bond oder auch ein Dr. Mabuse war der Stoff bereits nicht mehr in einem zeitgenössischen Kontext vorstellbar. Dazu passt auch, dass eine Rockband sich nach Fu Manchu nennt – und seine letzten Auftritte waren durchaus humoristischer Natur: zuerst von Peter Sellers dargestellt in «The Fiendish Plot of Dr. Fu Manchu», dann vor kurzem von Nicolas Cage in Rob Zombie fakem Grindhouse-Trailer «Werewolf Women of the SS». Christopher Lee ist es aber doch hoch anzurechnen, dass er seinen Fu Manchu nie als Karikatur gespielt hat; wie Dracula zuvor gab er ihm eine Würde wie wohl kein zweiter Schauspieler.

«The Face of Fu Manchu». UK/BRD 1965.  Regie: Don Sharp. Mit Christopher Lee, Tsai Chin, Howard Marion-Crawford, Nigel Green, Peter Mossbacher, Karin Dor, Walter Rilla, Joachim Fuchsberger u.a. Deutsche DVD erschienen unter dem Titel «Ich, Dr. Fu Manchu» , französische DVD erschienen unter dem Titel «Le masque de Fu Manchu».

Lesen Sie auch den kürzlich auf «Zeitnah» veröffentlichen Nachruf auf Christopher Lee.

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