My Life Without Me – Tarsem Singhs «Self/less»

Tarsem Singh, der Regisseur von «The Cell», «The Fall» und «Mirror Mirror» enttäuscht mit einem SF-Film, der es sich allzu einfach macht, indem er anstelle von schwierigen ethischen Fragen auf Family Values fokussiert und so alles andere in den Hintergrund rückt.

Damian (Ben Kingsley) hat alles erreicht – er ist steinreich. Doch er hat nur noch wenige Tage zu leben. Da steckt ihm jemand eine Karte von einer Firma zu: diese behauptet, das Leben eines Menschen in einem anderen, künstlich erzeugten Körper zu ermöglichen. Damian ist zuerst skeptisch, dann entscheidet er sich aber, doch noch ein paar Jährchen unter den Lebenden zu verbringen. Er ahnt aber nicht, was für einen Preis nicht nur er, sondern vor allem andere Menschen für sein Leben bezahlen müssen…

Hallo, spreche ist hier mit Dignitas ? (Bild: zVg)

Hallo, spreche ist hier mit Dignitas ? (Bild: zVg)

Tarsem Singhs bester Film ist ganz klar das Remake des bulgarischen Films «Jo Ho Ho» – und es ist sicher kein Zufall, dass er auch beim Drehbuch von «The Fall» mitbeteiligt war. Alle seine anderen Filme basieren auf fremden Drehbüchern – was schade ist. «Mirror Mirror» war zwar sehenswert und auch sein Blick auf die griechische Götterwelt («Immortals») wusste durchaus zu überzeugen. Sein Erstling «The Cell» fand zwar damals beim Schreibenden nur wenig Gnade; aber insgesamt war der Film durchaus originell zu nennen. Das ist nun bei «Self/less» nun leider nicht der Fall – im Gegenteil, sowohl Machart als auch Idee/Drehbuch (David und Àlex Pastor) wirken geradezu abgestanden. Man nehme eine Prise «Total Recall», dazu ein bisschen Body Snatchers und jede Menge Family Values – voilà, fertig ist die mainstreamtaugliche SF-Brühe.

Eigentlich ist der Film ja streckenweise und vor allem anfangs durchaus spannend, aber am Schluss wird der Film so vorhersehbar wie der letzte Jaume-Collet-Serra-Film. Es ist zu hoffen, dass Tarsem Singh sich bald wieder Stoffen widmet, die ihn mehr interessieren – wer «The Fall» gesehen hat, kann sich nämlich vorstellen, wie sehr den indisch-amerikanischen Regisseur nämlich «Self/less» interessiert: nämlich gar nicht. Dafür ist das Drehbuch von «Self/less» wohl einfach zu normal. Zugegeben: auch in «The Fall» spielt ein kleines Mädchen eine wichtige Rolle. Und sicherlich richtet sich «Self/Less» an ein breiteres Publikum. Der Film hätte trotzdem viel besser sein können – aber leider macht vor allem der Schluss wirklich alles zunichte. Anstelle von schwierigen ethischen Fragen (ewiges Leben, der Mensch als Ersatzteillager à la Mark Romaneks «Never Let Me Go» usw.) löst sich am Schluss alles in Popcorn auf. Es ist nicht so, dass sich der Film an sich nicht den ethischen Fragen stellt – aber die Antworten, die er gibt, sind viel zu einfach und lassen nur sehr wenig Spielraum für Interpretationen.

«Self/less». USA 2015 . Regie: Tarsem Singh. Mit Ryan Reynolds, Ben Kingsley, Natalie Martinez, Matthew Goode u.a.  Deutschschweizer Filmstart am 13. August 2015.

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