Ghost Town USA – Ryan Goslings «Lost River»

Ryan Gosling überzeugt auch als Regisseur und überrascht mit einem fantastisch angehauchten, in einer parallelen Realität angesiedelten Drama über eine Familie, die von Kriminellen terrorisiert wird.

Detroit. Mutter Billy (Christina Hendricks) lebt mit ihren zwei Söhnen in einer heruntergekommenen Stadt, in der dauernd alte Häuser abgerissen werden – ohne Zutun der Bewohner versteht sich. Bones (Iain De Caestecker), der ältere Sohn, wird von Bully (Matt Smith), einem kleinkriminellen Element, terrorisiert, und auch seine Freundin Rat (Saoirse Ronan) muss aufpassen. Mutter Billy hat unterdessen einen neuen Job gefunden, einen Job, der aber so bizarr ist, dass ihre Söhne nichts davon erfahren dürfen. Bones will aber ein besseres Leben für die Menschen seiner Stadt – und langsam kommt er dem Grund für den Niedergang näher…

Ryan Goslings Regiedebut erinnert immer wieder an David Lynchs kryptische Meisterwerke. (Bild: zVg)

Ryan Goslings Regiedébut erinnert immer wieder an David Lynchs kryptische Meisterwerke. (Bild: zVg)

Die Filmemacher danken im Abspann Derek Cianfrance, Terrence Malick, Nicolas Winding Refn und Guillermo del Toro – und von all diesen renommierten Regisseuren hat Ryan Goslings Regiedebüt denn auch etwas: den starken Stil Cianfrances, die kryptische Sozialkritik Malicks, die Gewalt Winding Refns (wenn auch nicht so ausgeprägt wie etwa in «Only God Forgives») und die Vorliebe für fantastische Elemente del Toros.

Das Drehbuch zu «Lost River» stammt auch von Gosling selber – der als Mormone aufgewachsene Kanadier hat also noch viel mehr auf dem Kasten als seine wohl doch nicht zu unterschätzenden Fähigkeiten als Schauspieler. Als Regisseur übertrumpft er hier zumindest Cianfrance; er legt einen Film vor, der besser ist als viele der Filme, in denen Gosling als Schauspieler zu sehen war. Vielleicht findet Gosling ja hier seine wirkliche Berufung – auch wenn die gemischten Reaktionen, die der Film hervorzurufen scheint, doch wohl in eine andere Richtung deuten. «Lost River» ist auf jeden Fall eine starke Mischung aus Sozialkritik und fantastischen, kryptischen Elementen, doch angesiedelt in einer Landschaft, die sehr stark an das heutige heruntergekommene, von Fannie Mae und Freddie Mac geprägte Amerika erinnert. Nicht von ungefähr erinnert diese urbane Landschaft auch an das Detroit Jim Jarmuschs in «Only Lovers Left Alive». Wenn sich ein ehemaliger afroamerikanischer Nachbar am Anfang an «Didn’t I (Blow Your Mind This Time)» (1969) von den Delfonics erinnert, dann ist dies wie eine Erinnerung an eine bessere Zeit, in der es wohl allen – und gerade auch den AfroamerikanerInnen – besser ging. Nicht ohne Grund ist dieser Song auch in Quentin Tarantinos Hommage an die 70er Jahre und den Blaxploitation-Film («Jackie Brown») zu hören. Wie dem auch sei: «Lost River» ist zweifellos einer der interessantesten Filme des Jahres. Nicht verpassen!

«Lost River». USA 2014. Regie: Ryan Gosling. Mit  Christina Hendricks, Iain De Caestecker, Saoirse Ronan, Matt Smith, Ben Mendelsohn, Barbara Steele, Eva Mendes, Reda Kateb u.a. Basler Premiere am 2. Oktober 2015 im Filmclub B-Movie. Spielzeiten siehe www.b-movie.ch

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