Morituri te salutant – Joel und Ethan Coens «Hail, Caesar!»

Nach «Inside Llewyn Davis» legen die Coen Brothers wieder einen etwas leichteren Film vor – was allerdings nicht heisst, dass der neue Streifen weniger Tiefgang hat. Ein coenesker Blick nicht zuletzt auf die McCarthy-Zeit mit All-Star-Besetzung. Stark!

Eddie Mannix (Josh Brolin) hat keinen leichten Job: er ist nicht nur Leiter der Produktion eines grossen Hollywood-Studios, sondern muss auch dafür sorgen, dass die zahlreichen Eskapaden der Stars nicht an die Aussenwelt gelangen. Thora und Thessaly Thacker (beide dargestellt von Tilda Swinton) sind als Klatschkolumnistinnen insofern seine Todfeindinnen. Und die Regisseure selber – allen voran der exzentrische Laurence Laurentz (Ralph Fiennes) – sind auch nicht immer pflegeleicht. Und nun wurde zu allem Unglück hinzu auch noch der Star des neuen Jesus-Films, Baird Whitlock (George Clooney), von kommunistischen Autoren gekidnappt…

Rette sich wer kann: Eddie Mannix (Josh Brolin) auf der Flucht vor Klatschkolumnistin (Tilda Swinton). (Bild: zVg)

Rette sich wer kann: Eddie Mannix (Josh Brolin) auf der Flucht vor Klatschkolumnistin (Tilda Swinton). (Bild: zVg)

Die Coen Brothers sind geniale Filmemacher, da besteht kein Zweifel. Ihr Zynismus kommt nicht immer bei allen gut an; «Inside Llewyn Davis» hat wohl nicht zuletzt deshalb für durchaus kontroverse Diskussionen gesorgt und war für einen Teil des Publikums wohl eher too much. «Hail, Caesar!» ist nun sicherlich leichtere Kost, aber auch ein Coen-Film von A bis Z; das Drehbuch stammt wie fast immer von den Brüdern selbst und anders als etwa «No Country for Old Men» basiert es auch nicht auf einer literarischen Vorlage. Unverkennbar ist dabei aber die Inspiration durch das ganz reale Hollywood der 50er Jahre –  die Geschichte des Eddie Mannix wurde denn auch bereits, wie Kollege Ottokar Schnepf anmerkt, in  «Hollywoodland» (Allen Coulter, 2006) verfilmt. Bei Eddie Mannix handelt es sich tatsächlich um eine historische Figur, die in Allen Coulters Film von Bob Hoskins dargestellt wurde.

Neben Hollywood ist in «Hail, Caesar!» auch die Religion ein Thema: Mannix ladet Geistliche verschiedener Konfessionen ein, da er die Gläubigen der USA mit dem neuen Jesus-Film nicht vor den Kopf stossen will: eine der witzigsten Szenen in einem sehr witzigen Film. Für die Coens ist dabei die Religion hier wie auch an anderer Stelle (etwa in «The Big Lebowski») wohl eher ein komisches Element. Trotzdem schaffen sie es irgendwie, in dieser satirischen Komödie auch die spirituelle Ebene auf ihre Seite zu ziehen. Im Abspann steht denn auch: «This motion picture contains no visual depiction of the godhead.» Kurz und gut: ein weiteres Meisterstück von den zwei Brüdern aus Minneapolis – diesmal natürlich ganz ohne den Schnee, der in «Fargo» und «Inside Llewyn Davis» mehr oder weniger prominent zu sehen war…

«Hail, Caesar!». USA/UK 2016. Regie: Joel und Ethan Coen. Mit George Clooney, Josh Brolin, Tilda Swinton, Scarlett Johansson, Ralph Fiennes, Channing Tatum, Alden Ehrenreich u.a. Deutschschweizer Kinostart am 18. Februar 2016.

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