Europa und sein Afrika – Roschdy Zems «Chocolat»

Nach «Vénus Noire» ein weiterer Film eines afrikanisch-arabischstämmigen französischen Regisseurs über das traurige Schicksal eines schwarzen Menschen in Europa: «Chocolat» von Roschdy Zem überzeugt auf der ganzen Linie, ist aber nicht ganz so unangenehm wie «Vénus Noire». Leichte Kost ist der Film aber natürlich nicht…

Der afrikanischstämmige Lateinamerikaner Rafael Padilla hat in Frankreich als Illegaler seine Nische gefunden: zuerst als angeblich wilder Afrikaner namens Kananga (sic!) in einem Provinzzirkus, dann zusammen mit seinem Partner Footit als Clown. Doch trotz des phänomenalen Erfolgs des Duos droht Gefahr von verschiedenen Seiten: Rafael, unterdessen als Chocolat bekannt, ist nämlich immer noch illegal in Frankreich – und er und sein Partner Footit sind auch nicht immer einer Meinung…

Rafael Padilla, früher besser bekannt als Kananga, heute Chocolat. (Bild: zVg)

Rafael Padilla (Omar Sy), früher besser bekannt als Kananga, heute Chocolat. (Bild: zVg)

Roschdy Zems Film ist hervorragend gemacht und kann ein schwieriges Thema auch einem breiteren Publikum näherbringen – Abdellatif Kéchiches «Vénus Noire» war auch ein Film über die Ausbeutung schwarzer Menschen in Europa, war aber – nicht zuletzt aufgrund des historischen Schicksals der Sarah Bartman – für die meisten Kinogänger sicherlich eher ungeeignet. «Chocolat» nun zeigt auch, wie sich Europa über den schwarzen Körper lustig macht und wie dem Clown Chocolat der Aufstieg zum ernstzunehmenden Schauspieler verwehrt bleibt. Auch ein trauriges Schicksal, mehr noch, eine tragische Geschichte, die der arabischstämmige Franzose Roschdy Zem in seinem Film nach einem Drehbuch von Cyril Gely, Olivier Gorce u.a. erzählt. Und gerade deshalb ist der Film sehenswert – weil er eine Geschichte erzählt, die viel aussagt über die Geschichte des Westens – über tragische Schicksale, die auch heute noch nachwirken, auch wenn dies oft verdrängt wird – wenn etwa von den positiven Aspekten des Kolonialismus geredet wird.

Aber das Verharmlosen der Geschichte wird nur eines bringen: die Gräben zwischen Weiss und Schwarz (bzw. ganz allgemein zwischen Europäischstämmigen und anderen) noch mehr vertiefen. Und gerade das ist heute ja sicher der falsche Weg. Vielleicht kann also Roschdy Zems Film Gegensteuer geben – auch wenn natürlich nur im Kleinen. Denn schliesslich kommt die Botschaft immer in erster Linie bei denen an, die sie bereits kennen. Das ist natürlich bei «Vénus noire» oder nun bei «Chocolat» auch nicht anders – was den Filmen aber ihre Dringlichkeit nicht nehmen darf.

«Chocolat». Frankreich 2016. Regie: Roschdy Zem. Mit Omar Sy, Noémie Lvovsky, James Thierrée, Clotilde Hesme, Olivier Gourmet u.a.  Deutschschweizer Kinostart am 25. Februar 2016.

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