Das Verbrechen ist erbärmlich – Pablo Traperos «El Clan»

Filmisch hervorragend gemacht und leider nur allzu nahe bei der Realität erzählt Pablo Traperos Film die authentische Geschichte von Arquímedes Puccio und seiner Familie, der im Argentinien der Diktatur mit dunklen Machenschaften gross abkassierte.

Arquímedes Puccio ist das Oberhaupt einer gutbürgerlichen Familie, die aber eher zur Oberschicht gehören will. Ihren Lebensstil finanziert sich Puccio mit Entführungen und da er selber eng mit der Militärdiktatur zusammenarbeitet, funktioniert das lange auch hervorragend. Doch die Zeiten ändern sich: Argentinien ist auf dem Weg zur Demokratie. Der Sohn und Mittäter Alejandro, genannt Alex und bereits berühmter Rugby-Spieler, wird immer mehr von seinen Zweifeln geplagt. Doch als er die schöne Mónica kennenlernt, zählt plötzlich nur noch die Liebe zu ihr – die Opfer der üblen Machenschaften des Clans verblassen daneben immer mehr…

Vater und Sohn im Dienste des Verbrechens. (Bild: zVg)

Vater und Sohn im Dienste des Verbrechens. (Bild: zVg)

Pablo Traperos Film ist hervorragend gemacht, er weiss filmisch zu überzeugen und (grosses Lob!) zeigt, wie unsexy das Verbrechen ist. Arquímedes Puccio ist ein schlechter Mensch, und daran besteht nie Zweifel. Zu wenig Ambivalenz? Keineswegs. Der Film zeigt vielmehr, wie sehr das Schlechte Teil des Alltags ist, wie sehr die ökonomische Prosperität einer Familie von der Ausbeutung anderer abhängt. Und zwar ganz direkt. Insofern kann «El Clan» auch als Metapher gelesen werden. Vielmehr aber noch ist das Thema wohl die Straflosigkeit in einem Unrechtstaat, in dem die Menschen mit der «rechten» politischen Gesinnung alles dürfen. Bezeichnend auch, dass nur das jüngste Mitglied der Familie rechtzeitig die Flucht ergreift. Bis heute ist unbekannt, wo sich dieses befindet.

Mehr sei an dieser Stelle allerdings nicht verraten. Der Einsatz von Popsongs im Film und der Schnitt erinnert dabei durchaus an grosse Mafia-Filme; aber anders als bei Coppola oder Scorsese ist hier das Verbrechen nur erbärmlich und gemein und unsagbar brutal – so, wie das wirkliche Verbrechen eben ist. Der Oscarkandidat wurde denn auch in Venedig ausgezeichnet – in einem Land also, in dem Mafiafilme immer auch Anti-Mafiafilme sind. Pablo Trapero («Mundo grúa» , «Carancho» ) beweist mit seinem neuen Film, dass er zu Argentiniens besten Regisseuren gehört.

«El Clan». Argentinien/Spanien 2015. Regie: Pablo Trapero. Mit Peter Lanzani, Guillermo Francella, Franco Masini, Gastón Cocchiarale, Lili Popovich, Stefanía Koessl u.a.  Deutschschweizer Kinostart am 10. März 2016.

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