The Big Heat – Seung-wan Ryoos «Veteran»

Spass und Spannung, Blut und starke Nerven: das ist der erfolgreichste südkoreanische Film des letzten Jahres, in dem ein knallharter Cop einen steinreichen Wirtschaftskriminellen zur Strecke bringen will.

Mit Detective Seo Do-cheol (Jung-min Hwang) ist nicht gut Kirschen essen. Bei Recherchen findet er heraus, dass der Erbe des Sinjin-Imperiums, der arrogante Jo Tae-oh (Ah-in Yoo), es mit dem Gesetz nicht immer so genau nimmt. Ein gefundenes Fressen für den knallharten Ermittler…

Das sind nicht Oranje-Fans, sondern Do-cheol und sein Team von knallharten Crime Fighters! (Bild: zVg)

Das sind nicht Oranje-Fans, sondern Do-cheol und sein Team von knallharten Crime Fighters! (Bild: zVg)

Der erfolgreichste Film des Jahres 2015 in Südkorea überzeugt mit viel Action, Spass und Spannung und sogar mit «Lethal Weapon»-Zitaten. Hierzulande – beziehungsweise allgemein im Westen – sind ja aus Asien, Afrika, Lateinamerika und Russland vor allem feinsinnige Arthaus-Werke zu sehen. Erfrischend also, dass der Basler Filmclub B-Movie mal einen knallharten Mainstream-Streifen zeigt – mit knapp über zwei Stunden ist der Film zwar nicht eben kurz, aber es wird auch viel geboten. Zu Recht hat «Beterang» – so der Originaltitel des dritterfolgreichsten südkoreanischen Films aller Zeiten – in Sitges den Casa Asia Award erhalten. Ein Sequel ist in Planung, ebenso ein chinesisches Remake.

Dass sich in «Beterang» Gut und Böse in vielem gleichen, mag als typisch asiatisch interpretiert werden – Yin und Yang gehören eben zusammen. Auf der anderen Seite hat sich George Orwell schon 1944 darüber beklagt, dass sich im Kriminalgenre Gangster und Gesetz immer mehr angleichen. [1] Die Methoden von Gesetzeshütern und Kriminellen, so Orwell, sind in vielen Romanen nicht mehr zu unterscheiden: was vor allem heute als legitime Subversion und Zeichen der Zeit gelesen werden kann, war zu Orwells Zeiten noch schockierend. Zwar sagt der Volksmund auf Englisch «it takes a thief to catch a thief» – trotzdem kommt hier wohl eine Wahrheit zum Ausdruck, die man lange nicht wahrhaben wollte, weil sie eben doch zu unangenehm ist. Heute scheint sich aber niemand mehr daran zu stören.

Brian De Palmas «Scarface» – dies nur zum Vergleich – ist natürlich viel radikaler in seinem Ansatz und hätte Orwell zweifellos noch viel stärker beunruhigt: im 80er-Jahre-Streifen, der auf einem Drehbuch von Oliver Stone basiert, mag Tony Montana zwar ein skrupelloser Gangster sein, aber die Vertreter des Gesetzes sind mindestens so verdorben wie Antonio Montana selbst. Verglichen mit De Palmas Remakes des Hawks-Klassikers ist es dann schon wieder herzerwärmend, wenn ein tougher Cop wie Do-cheol sich mit Herz, Verstand und Faust gegen das Verbrechen engagiert. Sehenswert!

[1] http://orwell.ru/library/reviews/chase/english/e_bland

 «Beterang». Südkorea 2015. Regie: Seung-wan Ryoo. Mit Jung-min Hwang, Ah-in Yoo, Hae-jin Yoo, Dai-su Oh u.a. Premiere am 15. Juli 2016 im Filmclub B-Movie Basel; http://www.b-movie.ch/

 

 

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