Ghosts From The Past – Marcin Wronas «Dibbuk»

Marcin Wronas Film ist ein melancholisch-poetischer Horror-Film, der viel über die europäische Geschichte sagt und dabei aber immer wieder mit humorigen Zwischentönen überrascht.

Piotr (Itay Tiran) ist soeben in Polen eingetroffen; seine Braut Zaneta (Agnieszka Zulewska) hat er auf Skype kennengelernt. Zanetas Vater ist skeptisch, schliesslich kennen sich Piotr und Zaneta kaum. Doch Zaneta hat keine Zweifel… Piotr aber macht eine Entdeckung, die alles verändern soll. Der Pfarrer will nur noch eins: abhauen; ein jüdischer Hochzeitsgast redet mit Piotr, der plötzlich nur noch jiddisch redet und sich Hana nennt…

Endlich wieder ein Anmacherfoto! (Bild: zVg)

Endlich wieder ein Anmacherfoto! (Bild: zVg)

Marcin Wronas Film ist ein perfekt gemachter Arthaus-Horror-Film, der einen melancholischen Blick wirft auf das verschwundene jüdische Polen; anders als im Prolog von «A Serious Man» besteht hier kein Zweifel, dass wirklich ein Dibbuk sein Unwesen treibt, also eine Art Nachzehrer, der sich des menschlichen Körpers bemächtigt, ein Geist aus der Vergangenheit, der «unfinished business» auf der Erde hat. Die Hochzeitsszenen erinnern streckenweise an Kusturica, aber der Blick auf die Geschichte ist hier meilenweit davon entfernt – nicht von ungefähr ist «Dibbuk» auch eine polnisch-israelische Koproduktion. Interessanterweise nimmt der Originaltitel des Films – «Demon» – zwar auch auf den Dibbuk Bezug; aber dass es sich um eine spezifisch jüdisch-osteuropäische Figur handelt, wird ausgeblendet.

Deutsche Titel sind ja meist nicht sonderlich originell – sie wirken oft verflachend und verweisen im Grunde genommen darauf, dass die Verantwortlichen dem Publikum nur wenig zutrauen. Hier ist aber (zumindest teilweise) das Gegenteil der Fall. Dass der deutsche Titel nun aber «Dibbuk – Eine Hochzeit in Polen» lautet, kann als genialer Schachzug gewertet werden: so wissen nämlich alle, die sich für Osteuropa und Judentum interessieren, dass sie diesen Film nicht verpassen dürfen. Darüber hinaus sei der Film an dieser Stelle auch allen anderen, die sich für gute Filme interessieren, empfohlen. «A superb slice of cinema» (Howard Gorman, Shock TillYou Drop) – Schade nur,  dass sich Marcin Wrona bereits aus dem Leben verabschiedet hat…

«Demon». Polen/Israel 2015. Regie: Marcin Wrona. Mit Itay Tiran, Agnieszka Zulewska, Tomasz Schuchardt, Adam Woronicz, Andrzej Grabowski u.a. Premiere am 7. Oktober 2016 im Filmclub B-Movie Basel; http://www.b-movie.ch

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