Literarische Liebe – Ruth Beckermanns «Die Geträumten»

Eine Liebe wie keine andere, inszeniert von Ruth Beckermann – ganz ohne die Protagonisten Paul Celan und Ingeborg Bachmann.

Während den Aufnahmen des Briefwechsels zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan kommen sich eine Schauspielerin und ein Schauspieler näher; machen zusammen Pause, rauchen zusammen, liegen auf dem Boden im Studio und hören James Browns Klassiker «It’s a Man’s Man’s Man’s World», den dieser zusammen mit Betty Jean Newsome geschrieben hat. Ein Film ganz ohne Story; Literaturkino zwischen Dokumentation und Fiktion; im Zentrum stehen Paul Celan und Ingeborg Bachmann, die aber fast ausschliesslich mit ihren Worten präsent sind.

Nach dem Pamuk-Film «Innocence of Memories» ein weiterer Streifen, der die Grenzen zwischen Literatur und Film, zwischen Dokumentation und Fiktion subvertiert. Paul Celan hat sich selber ein Pseudonym gegeben, indem er seinen Nachnamen Antschel (jiddisch: ‚Engel‘) rumänisch transkribiert hat (Ancel) und dann die Silben vertauscht hat. Auch Ruth Beckermann vertauscht in ihrem Film einiges und überschreitet einige Grenzen. Dabei spielt – was absolut konsequent ist – die Schrift eine wichtige Rolle, die Darstellung auch der typografischen Elemente, nicht zuletzt aber auch die biografischen Informationen über Celan und Bachmann, die nur über die Schrift transportiert werden. Aber so spärlich eingesetzt und typografisch gekonnt umgesetzt, dass diese Einschübe dem poetischen Duktus des Films keinen Abbruch tun. James Brown hat sein berühmtes Lied zusammen mit Betty Jean Newsome geschrieben, und auch Ruth Beckermann vereint in ihrem Film Texte von Celan und Bachmann; das Drehbuch hat sie allerdings zusammen mit Ina Hartwig geschrieben. Es handelt sich um Hartwigs erste Arbeit für das Kino, während Beckermann bereits in den 70er Jahren Dokumentarfilme drehte.

 «Die Geträumten». Österreich 2016. Regie: Ruth Beckermann. Mit Anja Plaschg, Laurence Rupp u.a. Premiere am 6. November 2016 im Stadtkino Basel.

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