Medium des Maskulinen – Fenton Baileys und Randy Barbatos «Mapplethorpe: Look at the Pictures»

Fenton Bailey und Randy  Barbato zeichnen ein ebenso informatives wie kunstvolles Porträt des Fotografen Robert Mapplethorpe, seines Lebens und seiner Zeit.

Sohn einer katholisch-konservativen Familie, studiert Robert Mapplethorpe gegen den Widerstand seines Vaters am rennommierten Pratt Institute in Brooklyn. Er lernt Patti Smith und lernt seine eigene Homosexualität kennen. Inspiration für frühe Werke holt er sich in schwulen Pornomagazinen, bald schon entscheidet er sich aber, seine eigenen Bilder zu schiessen. Massgebend für seinen Erfolg ist wohl nicht zuletzt sein Partner und Mäzen Sam Wagstaff, der bereits zwei Jahre vor Mapplethorpe an Aids gestorben ist.

Robert Mapplethorpe. (Bild: zVg)

Robert Mapplethorpe. (Bild: zVg)

Robert Mapplethorpe erscheint als ebenso skrupellose wie genialische Figur; was dabei allerdings doch wohl etwas zu kurz kommt, ist der politische Widerstand (sprich Zensurversuch) gegen Mapplethorpes Kunst. Von diesem stammt immerhin der Untertitel «look at the pictures» (das Zitat stammt von einem konservativen Politiker). Doch Barbato und Bailey wollten offenbar gerade diesen (äusserst unappetitlichen) Verfechtern der Zensur nicht allzu viel Platz einräumen, was ja auch wieder verständlich ist. Fotografie als ernstzunehmende Kunstform war lange unvorstellbar, doch Mapplethorpe war zur richtigen Zeit am richtigen Ort – nur Aids – also der Tod selbst – konnte seine Karriere beenden. Insofern war Mapplethorpe dann eben wohl zur falschen Zeit am falschen Ort – ein nur allzu frühes Ende für ein grosses Talent, das allerdings nur wenig Rücksicht auf andere Menschen genommen hat. Dies zeigt sich natürlich auch in der kompromisslosen Darstellung von gewagten Sujets; dazu gehört es sicherlich auch, dass er sich am Schluss vor allem der Darstellung von schwarzen Männern bzw. Männerkörpern widmete – in einem Land, in dem zwischen Schwarz und Weiss nicht gerade Minne herrscht, ist dies natürlich nicht unproblematisch.

Doch Mapplethorpe war selber wohl nie politisch engagiert; es ging ihm immer um die Ästhetik – und nur um die Ästhetik. Das ist zweifellos an sich schon problematisch; es schmälert aber den Wert seiner Kunst nicht. Und doch: gerade seine gewagteren Fotografien haben natürlich auch eine politische Bedeutung, schon nur deshalb, weil rechtskonservative Kreise sie verbieten wollten (und wohl immer noch wollen). Mapplethorpe ist ein Name, der nicht nur deshalb noch lange im Gespräch bleiben wird. Seine Werke haben ihn schon jetzt um viele Jahre überlebt, und sie werden wohl auch noch vielen Generationen geläufig sein.

«Robert Mapplethorpe: Look at the Pictures». USA/Deutschland 2016.  Regie: Randy Barbato und Fenton Bailey. Dokumentarfilm. Deutschschweizer Kinostart am 10. November 2016.

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