Kein indischer Hannibal Lecter, sondern einfach ein Killer: Anurag Kashyaps «Raman Raghav 2.0»

Der Regisseur von «Gangs of Wasseypur» überzeugt auch mit seinem neuen Film, der von einem gnadenlosen Massenmörder handelt. Indisches Kino mal anders!

Ramanna (Nawazuddin Siddiqui) ist fasziniert von Raman Raghav, einem berühmten Serienkiller aus den 60er Jahren. So fasziniert, dass er Raman Raghavs Taten selber umsetzen oder gar übertrumpfen will. Doch Raghavan (Vicky Kaushal), ein kokain- und sexsüchtiger Polizist, ermittelt gegen Ramanna – und kommt ihm immer näher. Doch dabei wird auch immer klarer, dass sich der psychopathische Kriminelle und der Beamte stark gleichen…

Raman Raghav is watching you... (Bild: zVg)

Raman Raghav is watching you… (Bild: zVg)

Anurag Kashyap, der dank «Gangs of Wasseypur» auch in unseren Breitengraden kein Unbekannter mehr ist, zeigt mit «Raman Raghav 2.0», dass er einer der gang grossen nicht nur des indischen Kinos, sondern des Weltkinos an sich ist. So stylish, aber doch so tiefgründig erzählen nur wenige Filme von Mord und Verbrechen. Die Namen Ramanna, Raghav, Raman beziehen sich übrigens alle auf Ramachandra, die siebte Inkarnation Vishnus, deren Geschichte im Ramayana erzählt wird. Schon der reale Killer Raman Raghav hat also einen verdoppelnden Namen à la Humbert Humbert; diese Doppelung hat dabei zweifellos etwas sowohl Komisches als auch Bedrohliches. In Kashyaps Film wirkt sie natürlich noch bedrohlicher und wird zudem im Zusatz zum Titel 2.0 noch betont. Der deutsche Titel «Psycho Raman» wirkt dagegen verflachend.

Kashyaps Film ist dabei nicht allein ein höllischer Trip in ein krankes Gehirn, sondern vielmehr ein sozialkritisches Werk, das weder die Gesellschaft noch den Killer schont. Ramannas Religionskritik erinnert dabei durchaus an Hannibal Lecter, doch ansonsten verbindet diese zwei Mörder nichts: während Lecter ein feinsinniger Kannibale ist, zeigt Ramanna eher, das jeder Mord nur eines ist: ein Mord. Das Töten wird so nicht durch angebliche kulturell-ästhetische Elemente verniedlicht, sondern erscheint als das, was es wirklich ist: etwas zutiefst Schäbiges.

«Raman Raghav 2.0». Indien 2016. Regie: Anurag Kashyap. Mit Nawazuddin Siddiqui, Vicky Kaushal, Sobhita Dhulipala, Mukesh Chhabra, Vipin Sarma u.a. Premiere am 21. Januar 2017 im Filmclub B-Movie Basel; http://www.b-movie.ch/

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