gesichtet #145: Das Gotthelf-Quartier – Annäherung an einen Unauffälligen

Von Michel Schultheiss

Lassen wir einen Blick zurück auf alle Stadtspaziergänge werfen: In dieser Rubrik kam schon jedes Basler Viertel an die Reihe. Von der Breite bis zum Bruderholz, vom Clara bis Kleinhüningen, vom St. Johann bis zum St. Alban wurde schon so ziemlich alles «gesichtet». Selbst auf den ersten Blick wenig spektakuläre Stadtteile wie etwa Iselin oder Hirzbrunnen glänzten hier schon mit ganzen Geschichten.

Lauritzen_Brunnen

Spuren der Basler Künstlergruppe «Kreis 48»: Der Gotthelfplatz-Brunnen von Theo Lauritzen steht seit 1965 im Herzen des kleinen Wohnquartiers (Foto: smi).

Ein Quartier fehlte aber bislang noch. Vielleicht geht es anderen gleich wie dem Schreibenden: Wer weder hier wohnt noch besonders viele Bekannte im Gotthelf hat, sucht diesen Ecken Basels nur selten auf. Kein Wunder: Besondere «Publikumsmagnete» fehlen hier. Man kann vorbeifahren, im Quartier selbst gibt es – abgesehen vom Morgartenring – kaum öffentliche Verkehrsverbindungen. Einzig die Elsässerbahn zieht eine Schneise durch das ansonsten kompakte und ruhige Quartier.

Im Zimmerhof

Ein verträumtes Strässchen: «Im Zimmerhof» zweigt von der Thannerstrasse ab (Foto: smi).

Besonders emblematische Bauwerke sucht man hier ebenfalls vergeblich. Die markantesten Eckpunkte sind wohl gerade noch das Gotthelf-Schulhaus, das Tramdepot und (na ja…) das Merian-Iselin-Spital. Zudem ist das besagte Wohnquartier ein Gebiet, das in letzter Zeit kaum von den grossen Umwälzungen in der Stadtentwicklung betroffen war.

Hier scheint sozusagen die Zeit stehen geblieben zu sein: In manchen Strassen des Gotthelf scheint noch der Geist des frühen 20. Jahrhunderts erhalten geblieben zu sein. Gerade deswegen lohnt es sich aber, dieser kleinen «Insel» zwischen Allschwiler Gemeindebann, Spalenring und Schützenmattpark mal einen Besuch abzustatten.

Sennheimerstrasse_Palme

Wo der Nadelbaum auf die Palme trifft: Im Gotthelf geht’s nicht nur bei den Strassennamen bäumig zu (Foto: smi).

Gegen Ende des 19. Jahrhundert wurde das Gotthelf als Mittelstandsviertel konzipiert. Zu den Perlen des Quartiers gehört zum Beispiel die malerische Stichstrasse «Im Zimmerhof» mit den grünen Fensterläden. Wie der Name des kurzen Wegs suggeriert, wurde hier einst das Bauholz zugeschnitten. Ein Kuriosum ist auch «Im langen Loh», wo sich beim Überqueren der Strasse auch gleich der Kanton ändert.

Morgartenring-Tramdepot und Elsässerbahn

Das Trassee der Elsässerbahn (bevor sie dann beim Iselin-Quartier im Tunnel verschwindet) und das Tramdepot Morgartenring (Foto: smi).

Gleich in der Nähe erhebt sich das mächtige Gotthelf-Schulhaus vor einer Allee. Um 1899 wurde es im Stil der Neorenaissance gebaut – wie so manche Schulen dieser Generation mit dem charakteristischen Uhren- und Glockenturm. Aus dem gleichen Jahr auch das Tramdepot Morgartenring, welches in den Zwanzigerwaren erweitert wurde. Beim Schulhaus ist auch ein «Mann mit Fisch» zu finden. Die Brunnenskulptur stammt von Theo Lauritzen. Wenn’s auch kaum zu glauben ist: Vom gleichen Künstler stammt auch das oft als «abgestürztes Flugzeug» belächelte «Spiel mit zwei Quadraten». Diese ganz andere Plastik stand einst in der Riehener Essiganlage, nun aber bei den Wettsteinhäusern.

St. Galler-Ring

Eine Nische im Stadtbild: Die Allee des St. Galler-Ring erstreckt sich zwischen Bahntrassee und Schulgelände (Foto: smi).

Ansonsten ist das Gotthelf geprägt von etwas verschlafenen Wohnstrassen mit Häusern von der Jahrhundertwende. Der Baumeister Friedrich Albert hat hier seine Handschrift hinterlassen. Mehrere seiner denkmalgeschützte Häuserensembles machen den Charme des Viertels aus. Man denke etwa an die Gebäude mit dem Türmchen von 1901 gleich beim Gotthelfplatz.

Gotthelfplatz

Nicht nur das Schulhaus stammt vom Baumeister Friedrich Albert: Das schmucke Häuserensemble trägt ebenfalls seine Handschrift (Foto: smi).

Ob Buche oder Föhre: Manche Strassen sind hier nach Bäumen benannt. Passend dazu stehen auch auffällige Gehölze rum. Gleich an zwei Ecken leistet eine Palme dem Nadelbaum Gesellschaft. Wenn dann noch der exotische Baum im winterlichen Basel eine Schneekappe bekommt, verleiht dies dem Strassenbild im Gotthelf einen zusätzlichen Charme.

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Wo einst Holz verarbeitet wurde: Die kleine Stichstrasse wurde 1926 amtlich benannt (Foto: smi).

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