Brücken bauen – Rachid Djaïdanis «Tour de France»

Der zweite Spielfilm des französischen Regisseurs Rachid Djaïdani überzeugt mit starken schauspielerischen Leistungen, mit viel (auch filmischer) Poesie und Rap, und ist ein starkes Plädoyer für ein friedliches Zusammenleben.

Der Rapper Far’Hook (Sadek) wurde von einem Kollegen verbal und physisch angegriffen. Sein Manager, der zum Islam konvertierte Bilal (Nicolas Marétheau), lässt ihn untertauchen – ausgerechnet als Chauffeur seines Vaters Serge (Gérard Depardieu). Serge kann nämlich mit Hip-Hop nichts anfangen und den Islam lehnt er ebenfalls ab. Doch auf der Reise – Serge will alle Bilder des Künstlers Joseph Vernet nachmalen, an den Originalschauplätzen – freunden sich die zwei ungleichen Männer an…

Serge (Depardcieu) und Far'Hook (Sadek) beim Duell. (Bild: zVg)

Serge (Depardcieu) und Far’Hook (Sadek) beim Duell. (Bild: zVg)

Der französische Regisseur Rachid Djaïdani legt mit «Tour de France» eine Bestandesaufnahme des zwischen Migranten bzw. Menschen mit Migrationshintergrund und Autochthonen (vermeintlich Alteingesessenen) gespaltenen Frankreich – verschliesst dabei auch vor realen Problemen die Augen nicht, ohne aber am Schluss doch eine utopische Dimension zu präsentieren. Ein liebevoller Blick auf Frankreich, das eben Djaïdanis Heimat ist ebenso wie die von Depardieu. Rap-Fans dürfen sich auf einen Cameo von keinem Geringeren als Mos Def – heute bekannt als Yasiin Bey – freuen, der wie Bilal, Serges Sohn, zum Islam konvertiert ist und dies ebenfalls mit einer Änderung seines Namens bekanntgeben will. Serge redet immer wieder von Arabern, Sadek von Schwarzen (und meint damit wohl alle, die nicht als weiss gelten), aber zusammen mit einer Frau beim Flirten gibt er seine genaueren ethnischen Wurzeln bekannt und nennt sich einen Berber.

Djaïdanis Film ist eine immer wieder poetische Reise durch ein gespaltenes Land, in dem naturgemäss Musik und Poesie, Malerei und Dichtung eine wichtige Rolle spielen. Die Spaltung ist dabei eine doppelte: einerseits zwischen Serge und Sadek, aber auch zwischen Sadeks Rivalen Sphynx (dargestellt vom schweizerisch-burkinabisch-malischen Schauspieler Mabô Kouyaté) und ihm. Dies symbolisiert wohl nicht zuletzt eine ganz reale Spaltung zwischen verschiedenen Minderheiten und auch innerhalb der Minderheiten. Nicht zu vergessen natürlich die Konversion von Serges Sohn Bilal. Diese Klüfte und Brüche zeigen auch, dass eben jede Gruppe nicht homogen ist, letztlich natürlich ein Konstrukt. Ein starker Film!

«Tour de France». Frankreich 2016. Regie: Rachid Djaïdani. Mit Sadek, Gérard Depardieu, Louise Grinberg, Nicolas Marétheau, Mabô Kouyaté, Ranouaki Chaudron u.a. Deutschschweizer Kinostart am 2. März 2016.

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