Die Seele eines Chauffeurs – Edgar Wrights «Baby Driver»

Es gibt ein Leben nach der Cornetto-Trilogie: Edgar Wright, Regisseur von «Hot Fuzz» und «Shaun of the Dead», erfindet sich neu. Er bleibt sich aber treu mit dieser musikalischen Action/Gangster/Liebes-Kiste.

Der musikbegeisterte Baby (Ansel Elgert) ist ein Meister seines Fachs. Deshalb ist er auch Docs Fahrer – das kriminelle Mastermind (Kevin Spacey) plant alles, stellt jeweils eine kriminelle Crew zusammen – doch Baby ist immer dabei. Der junge Baby (ob es sich hier um seinen wirklichen Namen handelt?) lebt mit seinem Pflegevater, einem gehörlosen Afroamerikaner im Rollstuhl. Dieser will Baby von der kriminellen Laufbahn abbringen – doch Doc hat andere Pläne für Baby…

Der Engländer Edgar Wright hat sich bis jetzt ganz auf parodistische Stoffe spezialisiert. In «Shaun of the Dead» nahm er den Zombiefilm aufs Korn, in «Hot Fuzz» den Actionfilm und schliesslich im dritten Teil seiner Cornetto-Trilogie «The World’s End» den Science-Fiction-Film. Nun legt Wright seinen ersten US-amerikanischen Film vor, oder genauer seinen ersten Film, der in den USA spielt. Alle Elemente, die einen Wright-Film auszeichnen, sind vorhanden: die Musik, die Action, der Humor – allerdings kommt hier das parodistische Element nicht mehr zum Tragen. Vielleicht eine Anbiederung an den Markt? Wobei natürlich jeder Wright-Film auch ein Genre-Film ist. Geschrieben hat Wright das Drehbuch diesmal im Alleingang. Die drei Teile der Cornetto-Trilogie hingegen wurden alle von Wright zusammen mit Simon Pegg geschrieben. Insofern entspricht «Baby Driver» vielleicht noch mehr der Wrightschen Vision. Ob der Film deshalb aber besser ist als «Hot Fuzz» und «Shaun of the Dead»? Dies ist wohl Geschmackssache.

Wer eher auf parodistische Werke steht, wird wohl die Filme aus der Trilogie vorziehen. Interessanterweise war aber der Schluss von «The World’s End» verblüffend ernst – anders etwa als die witzige Pointe am Schluss von «Shaun of the Dead». In Sachen Musik übertrifft aber «Baby Driver» vielleicht alle anderen Filme: fulminant, wie hier die (bereits vorhandene) Musik mit dem Film zu einem organischen Ganzen verschmilzt. Neben Young MC, Queen und der Jon Spencer Blues Explosion sind viele Soul-Klassiker zu hören, u.a. «Nowhere To Run» von Martha and the Vandellas, «Harlem Shuffle» von Bob and Earl und «Smokey Joe’s La La» von der Googie Rene Combo. Die Musik, die Baby im Film selber komponiert, stammt übrigens von Kid Koala, dem bekannten Turntablist. Zudem: Run the Jewels haben einen Track für den Film geschrieben. In diesem Sinne: ins Kino gehen und geniessen!

«Baby Driver». UK/USA 2017. Regie: Edgar Wright. Mit Ansel Elgort, Kvein Spacey, Lily James, Elza Gonzalez, Jon Hamm, Jamie Foxxx u.a. Deutschschweizer Kinostart am 27. Juli 2017.

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