Der dümmste Maoist der Welt – Michel Hazanavicius’ «Le redoutable»

Jean-Luc Godard ist ein Gott des Kinos – er interessiert sich aber fast mehr für die Weltrevolution und den Kampf der Palästinenser. Er heiratet die junge Anne Wiazemsky…

Paris, 1967. Jean-Luc Godard (Louis Garrel), Schweizer (seit 1953), Franzose, gescheiterter Revolutionär. «Le plus con de tous les suisses pro-chinois». Soeben hat er die junge Anne Wiazemsky (Stacy Martin) geheiratet. Doch seine Annäherungsversuche an revolutionäre junge Geister scheitern immer wieder – mal ist er zu wenig radikal, mal viel zu plakativ – oder auch echt oder vermeintlich antisemitisch. Schliesslich dreht er einen neuen Film in der Tschechoslowakei, während Anne in Italien als Schauspielerin arbeitet. Ob es noch eine Zukunft gibt für den cholerischen JLG und die sanfte Anne?

Jean-Luc Godard und die Weltrevolution: auch die Aktivisten sind nicht sonderlich angetan von seinen neuen Filmen… (Bild: zVg)

Michel Hazanavicius hat die Welt überzeugt mit seinem Schwarzweiss-Stummfilm «The Artist». Und die Academy. Sein letzter Film, «The Search» (Remake eines Fred-Zinneman-Films, nach Tschetschenien verlegt), hat zwar weniger Zuspruch gefunden. Aber mit seinem aktuellen Godard-Biopic, «Le redoutable», wird das nicht zuletzt in cinephilen Kreisen anders sein. Einerseits ist es eine starke stilistische Fingerübung, in der Hazanavicius typisch godardeske Elemente gekonnt einsetzt. Andererseits ist es ein Film über die Geschichte des Films, über die 68er und ihre Träume.

In der ambivalenten Figur des JLG werden die Träume ebenso wie das (teilweise) Scheitern ersichtlich. Gleichzeitig ist dieser JLG aber ebenso keineswegs so progressiv, wie er vorgibt. Dies zeigt sich einerseits in seiner Beziehung zu Anne, andererseits aber auch in seinen politischen Äusserungen, wenn er nicht unterscheidet zwischen Israel und Judentum, Juden heute und Nazis gestern. Dieses unzulässige Polemisieren ist durchaus typisch für Godard [1], meist (zumindest in seinen Filmen) aber natürlich weniger deutlich als in dieser filmischen (fiktionalisierten?) Wortmeldung. Film/Diktatur und Demokratie, Revolution und Reaktion, Yin und Yang – wie in der Figur des JLG sind die zwei eben oft nicht zu trennen. Der Titel stammt denn auch vom französischen Kriegsschiff bzw. verschiedenen französischen Kriegsschiffen: «le redoutable» heisst «der Furchterregende». In diesem Sinne: Bravo, Maestro!

«Le redoutable». Frankreich 2017. Regie: Michel hazanavicius. Mit Louis Garrel, Stacy Martin, Bérénice Béjo, Micha Lescot, Grégory Gadebois u.a. Deutschschweizer Kinostart am 5. Oktober 2017.

[1] http://next.liberation.fr/cinema/2011/03/08/godard-est-parfois-antisemite-comme-un-juif-peut-l-etre_719987

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