White Trish zwischen Whiteness und Blackness – Geremy Jaspers «Patti Cake$»

Regisseur, Drehbuchautor und Songwriter Geremy Jaspers legt mit «Patti Cake$» einen perfekt gemachten Film über den möglichen Aufstieg einer weissen Rapperin aus der Unterschicht vor – ein Musikfilm nach Schema F, der aber fesselt wie nur wenige. Nicht nur die Songs wirken noch nach!

Patricia Dombrowski (Danielle Macdonald) lebt zusammen mit ihrer Mutter (Bridget Everett), einer abgehalfterten ehemaligen Sängerin, und ihrer Grossmutter (Cathy Moriarty). Malochen ist wichtig in ihrem Leben, denn die Dombrowskis haben fast kein Geld; sie sind Menschen aus der Arbeiterklasse, die aber meist zu wenig Arbeit haben und deshalb auch zu wenig Geld. Trotzdem träumt White Trish oder Killa P, wie sie sich auch nennt, von einer Karriere als Rapperin…

Geremy Jasper, Drehbuchautor, Regisseur und Autor der Rap-Songs im Film, legt mit «Patti Cake$» einen perfekt gemachten Musikfilm vor, einen Film, der alle Konventionen des Genres berücksichtigt: den harten Aufstieg; den Clash zwischen den Kulturen, die Romantik usw. Insofern ist «Patti Cake$» ein reiner Genrefilm – was aber nicht schlecht sein muss. Gerade auch, weil der Film vieles über die US-Gesellschaft (nicht zuletzt die Brüche zwischen Schwarz und Weiss) aussagt. Den Vorwurf des Rassismus umschifft Jasper dabei durchaus geschickt, indem er aus Trishs bestem Freund und Mitmusiker einen Südasiaten macht und aus dem dritten im Bunde einen schwarzen Punkrocker. Natürlich wirkt das alles dann doch sehr konstruiert, aber auch diesen Einwand muss man bei einem Film wie «Patti Cake$» nicht unbedingt gelten lassen.

Patricia und ihr bester Freund Jheri. (Bild: zVg)

In einer kleinen Nebenrolle ist übrigens MC Lyte zu sehen und vor allem zu hören: sie spielt einen Radio-DJ. Die Hauptdarstellerin Danielle Macdonald ist übrigens Australierin, wie Iggy Azalea. Azalea ist eine der bekanntesten Rapperinnen und wahrscheinlich die bekannteste weisse Rapperin überhaupt. Und: wenn Mutter Dombrowski mit den Cops aus der Nachbarschaft den Blues spielt, dann ist sie mindestens so nahe wie die Tochter bei den afroamerikanischen Traditionen. Aber – um David Foster Wallace und Mark Costello zu zitieren – die gesamte populäre Musik der USA hat ja eigentlich afroamerikanische Wurzeln: «everything the white rock listener pays to enjoy is black-begotten… Black music is American pop’s breath and bread». [1, S.31]

«Patti Cake$» USA 2017. Regie: Geremy Jasper. Mit Danielle Macdonald, Bridget Everett, Siddhart Dhananjay, Mamoudzou Athie, Cathy Moriarty, Sahr Ngaujah, MC Lyte u.a. Deutschschweizer Kinostart am 9. November 2017.

[1] David Foster Wallace und Mark Costello; Signifying Rappers, Penguin 2013 (1990). Der Titel bezieht sich u.a. auf den Track von Schoolly D (siehe oben), der wie die Dombrowskis die Welten des Hip-Hop und des Rock zusammenbringt.

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