Bewegendes Schicksal einer Indigenen – Amanda Kernells «Sami – A Tale from the North»

Mit «Sami – A Tale from the North» gibt die schwedische Regisseurin Amanda Kernell einen bewegenden Einblick in das Schicksal der Sami (Sámi) – früher auch Lappen genannt – in Schweden. Lene Cecilia Sparrok als junge Elle Marja ist eine Entdeckung.

Schweden in den 1930er Jahren. Die Sami sind Fremde im eigenen Land. Die Schülerin Elle Marja will ausbrechen aus ihrem vom Rassismus der Schweden geprägten Alltag. Sie wird nicht nur von assimilierten Samen gemobbt, sie wird sogar – zusammen mit ihren Klassenkameradinnen – aufgrund von Rassentheorien, die in den 30er Jahren auch in Schweden populär waren, gedemütigt. Die talentierte Elle Marja sieht nur einen Ausweg: auf eine Schule für ‘normale’ Schweden zu gehen und so selber Lehrerin werden, wie die von ihr bewunderte Lehrerin, die sie sogar zum Kaffee einlädt.

Skeptischer Blick in den Spiegel: Lene Cecilia Sparrok als Elle Marja. (Bild: zVg)

Im Original heisst Amanda Kernells erster Langspielfilm «Sameblod» – auf deutsch: «Sami-Blut» (englisch: «Sami Blood»). Was auf deutsch an Blut und Boden erinnert, muss auf Schwedisch und anderen skandinavischen Sprachen wohl nicht unbedingt auf den Rassismus der Mehrheitsgesellschaft verweisen. Die Rassentheoretiker, die die Schule besuchen, untersuchen schliesslich auch nicht das Blut der Schülerinnen und Schüler, sondern sind mehr an Phrenologie und anderen pseudowissenschaftlichen Inspektionen interessiert. Trotzdem war es sicher eine gute Wahl, den Titel für die (Deutsch-)Schweiz zu verändern, auch wenn «Sami – A Tale from the North» vielleicht dann doch etwas allzu banal daherkommt. Schliesslich ist es nicht einfach eine Geschichte (oder gar ein Märchen, also ein «fairy-tale»), die hier erzählt wird, sondern vielmehr eine wenn auch fiktive, aber doch nur allzu realistische biografische Skizze, die dabei teilweise auf Kernells eigener Familiengeschichte basiert, dabei aber nie zu sehr in Richtung Biopic geht, sondern genug Raum lässt für Ellipsen, ohne dabei zu elliptisch zu sein. Besonders gelungen ist dabei auch die Verflechtung des Historischen mit der in der Jetztzeit spielenden Rahmenhandlung, die auch den heutigen Rassismus thematisiert. Hervorragend besetzt, exzellent geschrieben: Amanda Kernells «Sameblod» ist zweifellos einer der besten skandinavischen Filme der letzten Jahre – wenn nicht der beste überhaupt. Von Kernell ist also noch einiges zu erwarten…

«Sameblod». Norwegen/Dänemark/Schweden 2016. Regie: Amanda Kernell. Mit Maj-Doris Rimpi, Lene Cecilia Sparrok, Mia Erika Sparrok, Julius Fleischanderl, Hanna Alström u.a. Deutschschweizer Kinostart am 14. Dezember 2017.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.