Pulp Fiction nach Schema F – Nash Edgertons «Gringo»

Zwar sehen nicht alle Kritiker in «Pulp Fiction» einen Meilenstein, doch nicht zuletzt durch seinen Einfluss auf ansonsten wenig originelle Thriller hat Quentin Tarantino einen Teil des Filmschaffens – Thriller, die Gewalt und Humor nicht abgeneigt sind – doch sehr stark geprägt. Da macht auch Nash Edgertons neuer Film, der in den USA und Mexiko spielt, keine Ausnahme.

Harold Soyinka (David Oyelowo) ist ein Loser, wie er im Buche steht. Nur weiss er leider noch nichts davon. Zusammen mit seinen Vorgesetzten – dem fiesen Richard Rusk (Joel Edgerton) und der abgefeimten Elaine Markinson (Charlize Theron) – führt ihn das Geschäft nach Mexiko. Für den ahnungslosen Nigerianer Harold – und viele andere Beteiligte, darunter auch ein junges Pärchen und diverse mexikanische Gangster und Kleinkriminelle – beginnt eine Reise ohne Ticket zurück nach Hause…

Harold (David Oyelowo) hat auch schon bessere Tage gesehen… (Bild: zVg)

Nash Edgertons Film ist eine clevere Melange aus Thriller nach Schema F, verfeinert mit einigen Elementen à la «Pulp Fiction»: einerseits der Humor, die Gewalt – und last but not least das Sprechen über Popkultur. Kein Geringerer als der grosse Gangsterboss ist ein grosser Fan der Beatles – mehr sei an dieser Stelle aber nicht verraten. Alle diese Elemente können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei «Gringo» wirklich um einen Genrefilm handelt, der dann am Schluss doch nur wenige Überraschungen bietet. Vielleicht auch ein von Meister Quentin inspiriertes Element ist dabei allerdings das Thematisieren des Rassismus – so nennen die Mexikaner den Schwarzen immer «negrito» oder «gringo negrito»; der Afroamerikaner wird so verniedlicht und zudem als Fremder gebrandmarkt. In den Untertiteln kommt dies nicht oder nur teilweise zum Ausdruck.

Der weissen Südafrikanerin Charlize Theron werden zwar auch zahlreiche beleidigende Worte in den Mund gelegt; aber doch keine rassistischen Ausfälligkeiten – da wirkt das Tabu dann vielleicht doch. Quentin Tarantino hatte damals in «Pulp Fiction» weniger Hemmungen; interessanterweise heisst seine Filmfrau in «Pulp Fiction» ebenfalls Bonnie, genau wie Harolds afroamerikanische Partnerin (Thandie Newton). Natürlich ist dabei – sowohl in «Gringo» als auch bei Quentin Tarantino – die Frage, ob das nun kritisch gemeint ist, offen. Je nach politischer Gesinnung werden hier wohl die Leute genau das sehen, was sie sehen wollen.  Das Drehbuch stammt übrigens von Anthony Tambakis und Matthew Stone, dem Autor von «Intolerable Cruelty» und «Soul Man». Tambakis hat zudem bereits bei «Jane Got a Gun» mit Joel Edgerton – dem Bruder von Regisseur Nash Edgerton – zusammengearbeitet. Die Edgertons stammen aus Australien, und «Gringo» ist denn auch eine australisch-amerikanische Koproduktion. Weniger amerikanisch ist der Film aber deshalb wohl nicht.

 «Gringo». Australien/USA 2018. Regie: Nash Edgerton. Mit David Oyelowo, Joel Edgerton, Charlize Theron, Thandie Newton, Melonie Diaz, Amanda Seyfried u.a. Deutschschweizer Kinostart am 5. April 2018.

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