Morden in den Zeiten von Twitter – Tyler MacIntyres «Tragedy Girls»

Diese zwei jungen Damen haben es faustdick hinter den Ohren: Sadie und McKayla kidnappen den lokalen Killer, um von ihm zu lernen, wie man(n) (bzw. frau) ganz gross rauskommt – für ihre Follower auf den Social-Media-Kanälen sind sie zu allem bereit…

McKayla (Alexandra Shipp) ist eine sehr aufgeweckte junge Frau aus der schwarzen Bourgeoisie, während die weisse Sadie (Brianna Hildebrand) alleine mit ihrem Vater zusammenlebt in einer Hütte, die mehr nach einem Trailer als nach einem Haus aussieht. Doch trotz ihren verschiedenen sozioökonomischen und ethnischen Hintergründen sind die zwei «best friends forever» – und für ihre Twitter-Follower sind sie zu allem bereit. Andy Warhol hatte recht: in der Zukunft ist jede/r ein Star – zumindest dann, wenn er oder sie über Leichen geht…

Diese zwei jungen Damen gehen für ihre Freundschaft und Twitter durch dick und dünn. (Bild: zVg)

In diesem Film sind die Männer eigentlich nur Statisten. «Sisters are doing it for themselves» ist das Motto – und wer zwischen die besten Freundinnen «M-Kay» und Sadie kommt, ist bald selber nicht mehr ganz «m-kay». Die zwei selbsternannten «Tragedy Girls» sind nicht nur auf Twitter Heldinnen, sie sind es auch im realen Leben – oder ganz grosse Schurken. Tyler MacIntyre legt einen unverschämt unterhaltsamen Film vor, in dem das Blut immer wieder in Strömen fliesst. Schliesslich müssen die zwei sicherstellen, dass die Morde wirklich als solche erkannt werden – nichts ist langweiliger als ein Unfall.

«In den bestgelesenen Schunken wimmelt es von Mördern und Halunken» – die Grenzen zwischen Krimi und Thriller werden immer durchlässiger. Und in einer rabenschwarzen (oder vielleicht besser: karmesinroten) Komödie wie «Tragedy Girls» ist so oder so ganz unklar, ob es sich hier um einen komödiantischen Horrorfilm handelt, um eine Art Satire auf unsere publicitygeile Welt des Gezwitschers, um einen humoristischen Anti-Giallo mit Gender-Twist oder vielleicht doch eher um ein Loblied auf die Freundschaft zwischen zwei in ethischer Hinsicht nicht immer blütenweissen jungen Frauen.

Es lohnt sich aber auf jeden Fall, sich auf diesen Film einzulassen – wenn mann/frau sich nicht vom Prädikat Rated R («Rated R for strong bloody horror violence, and language including some sexual references») abhalten lässt… ob es wohl ein Zufall ist, dass McKayla mit demselben Präfix beginnt wie der Nachname des Regisseurs?

«Tragedy Girls». USA 2017. Regie: Tyler MacIntyre. Mit Brianna Hildebrand, Alexandra Shipp, Jack Quaid, Kevin Durand, Timothy V. Murphy, Katie Stottlemire, Nicky Whelan, Craig Robinson u.a. Premiere am Freitag, 11. Mai 2018 im Basler Filmclub B-Movie. http://www.b-movie.ch/

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