Die Totale Erinnerung – Andrew Niccols «Anon»

Science-Fiction-Spezialist Andrew Niccol («Gattaca», «In Time», «Lord of War») meldet sich zurück mit einem weiteren Blick in eine düstere Zukunft, die unserer Gegenwart aber doch in vielem ähnelt. In den Hauptrollen: Amanda Seyfried als Anon und Clive Owen als Detective Sal Frieland.

Detective Sal Frieland (Clive Owen) hat den Auftrag, eine Person aufzuspüren, die ganz anonym agiert – eine Ungeheuerlichkeit in einer Zukunft, in der niemand anonym ist und in der alles aufgezeichnet wird. Anon (Amanda Seyfried) ist aber nicht nur selber anonym – sie kann auch die Aufzeichnungen anderer löschen. Zudem steht sie unter Mordverdacht… Detective Frieland wird auf die noch unbekannte Person angesetzt, die sich schliesslich doch als junge Frau (Amanda Seyfried) zu erkennen gibt…

Wer ist die grosse Unbekannte? (Bild: zVg)

«Anon», der neue Wurf von Andrew Niccol, ist zwar vielleicht nicht sein bester Film, aber zugleich vielleicht sein aktuellster überhaupt. In den Zeiten von Facebook, Twitter und Instagram, in den Zeiten, in der fast alle durch ihr Smartphone jederzeit auffindbar sind, gibt es kaum ein aktuelleres Thema als das des gläsernen Bürgers. In der Zukunft, in der Niccols neuer Film spielt, entziehen sich nur wenige der totalen Durchleuchtung – ja, es ist geradezu kriminell, sich unkenntlich zu machen. Dies findet jedenfalls der Chef des Detectives. Sal hingegen meint, seine Aufgabe sei es doch nur, die Morde aufzuklären. Dies interessiert seinen Chef aber weniger: er will nur wissen, wer Anon ist.

Thematisch erinnert «Anon» dabei durchaus an «The Circle» (das Buch von Dave Eggers bzw. die Verfilmung mit Tom Hanks): die totale Überwachung wird interessanterweise in «The Circle» als private Initiative dargestellt; die staatliche ist erst geplant. In «Anon», der ja auch in einer mehr oder weniger nahen Zukunft spielt, ist das aber alles schon Realität – wie auch das Löschen von Erinnerungen bzw. Aufzeichnungen, das wohl seit «Total Recall» auch ein Topos der Science Fiction ist. Anders als «The Circle» (oder der unsäglichen Neuverfilmung von «Total Recall») schafft es Niccol aber hier, wirklich Spannung zu kreieren – vielleicht nicht so gut wie in «Gattaca», seinem wohl besten Film, aber sicher besser als Kollege James Ponsoldt in «The Circle». Interessanterweise hat Netflix die Weltrechte von «Anon» gekauft – ohne die deutschsprachigen Länder – wahrscheinlich, weil Deutschland (und nicht etwa die USA) das Produktionsland des in Kanada und den USA gedrehten Films ist. Deshalb, und nur deshalb kann das B-Movie diesen Film nun zeigen – ein besonderes Privileg, da wir diesen Film nun fast anonym schauen können. Was könnte passender sein?

«Anon». Deutschland 2018. Regie: Andrew Niccol. Mit Amanda Seyfried, Clive Owen, Iddo Goldberg, Colm Feore, Mark O’Brien u.a. Premiere am 12. Oktober 2018 im Filmclub B-Movie Basel. www.b-movie.ch

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