Wir alle trinken giftiges Wasser – Michael Moores «Fahrenheit 11/9»

Michael Moore ist zurück – und wie. War ja klar, dass sein Gegenspieler im Weissen Haus wenigstens Michael Moore etwas bringt. Der Überzeugungstäter aus Flint (Michigan) legt seinen vielleicht dringlichsten Film vor.

Donald J. Trump, seit 11/9 Präsident der USA, POTUS. Wie ist dies möglich? In seinem neuen Film sucht Michael Moore Antworten, und die findet er nicht zuletzt in seiner arg gebeutelten Heimatstadt Flint (Michigan): der Stadt wurde der Zugang zum (teureren?) Wasser aus dem See (Lake Huron) verwehrt, stattdessen wird die Bevölkerung – vor allem die schwarzen afroamerikanischen Kinder, Frauen und Männer – mit giftigem Wasser aus dem Fluss dezimiert…

Michael Moore bringt das versuchte Wasser zu dem Mann, bei dem alles angefangen hat… (Bild: zVg)

Schlüsselszene(n) in Michael Moores neuem Film: Barack Obama trinkt möglicherweise giftiges Hahnenwasser in Flint (Michigan). Obama behauptet zwar, dies sei ganz ohne Hintergedanken geschehen – aber wie dies wirkt, vor allem auf die Opfer der Flint-Wasserkrise: das steht auf einem anderen Blatt geschrieben. Ja, vielleicht könnte man sagen: wir alle trinken giftiges Wasser, nicht zuletzt, weil (wie Michael Moore an anderer Stelle sagte) Bill Clinton einer der grössten republikanischen Präsidenten der USA war. Unterdessen hat sich Clinton zwar für einige seiner Schandtaten entschuldigt, aber der Schaden ist nicht rückgängig zu machen – jetzt weniger denn je. Solange die Demokraten sich an die Republikaner anlehnen, solange werden sich die Wähler auch für das Original entscheiden (oder für Kandidaten, die noch weiter rechts stehen wie Trump). Dies eine der Lehren, die Michael Moore (der als Kind auch eine Karriere als Priester in Betracht gezogen hat) in seinem neuen Film verbreitet.

Seinen vielleicht grössten Triumph feierte Moore vor 14 Jahren mit «Fahrenheit 9/11»; nun legt er einen Film vor mit einem fast identischen Titel: 9/11 bezieht sich auf den 11. September 2001 (in den USA meist in der Reihenfolge 9/11/01); 11/9 auf das Datum, an dem Trumps Wahlsieg verkündet wurde (9. Nov. 2016 = 9.11.16 = in den USA meist 11/9/16). «Fahrenheit 11/9» ist sicher einer seiner besten Filme, der beste seit «Capitalism: A Love Story» auf jeden Fall, und vielleicht sein dringlichster Film überhaupt. Beide Titel beziehen sich darüber hinaus natürlich auf Ray Bradburys berühmten dystopischen Science-Fiction-Roman «Fahrenheit 451». Hingehen – und staunen!

«Fahrenheit 11/9». USA 2018. Regie: Michael Moore. Dokumentarfilm.  Deutschschweizer Kinostart am 11. Oktober 2018.