Plus ça change, plus c’est la même chose! – Panos Cosmatos’ «Mandy»

Wie schon in seinem Erstling geht es auch in Panos Cosmatos’ zweitem Film «Mandy» um die Generation der Baby Boomer – aber nicht «Peace, Love, and Happiness» standen hier Pate, sondern eher der diabolische Charlie Manson. Rache mit Kettensäge – nichts für zartbesaitete Gemüter!

Der Holzfäller Red Miller (Nicolas Cage) und seine Frau, die Künstlerin Mandy Bloom (Andrea Riseborough) leben in Harmonie zusammen. Doch ein gnadenloser Kult hat es auf Mandy abgesehen, kidnappt die feingeistige Frau und ihren Mann. Sie haben die Rechnung aber ohne die Resilienz von Red gemacht…

Mandy (Andrea Riseborough) in ihrem Element. (Bild: zVg)

Einige Filmemacher beschäftigen sich mit der Generation ihrer Eltern und ihrem angeblichen Versagen. Keiner aber so, wie Panos Cosmatos, der Sohn von George P. Cosmatos, dem Regisseur von Filmen wie «Rambo: First Blood Part II»  und «Tombstone». «Mandy» ist stilistisch fulminant; die Bilder bleiben lange haften – einige Szenen wurden auch zeichentricktechnisch animiert. Während Quentin Tarantino einen Film macht, in dem Charles Manson selber vorkommt (dargestellt von Damon Herriman), ist die Sekte in «Mandy» zwar nicht identisch mit der Manson Gang, doch nicht nur weil Red von «Jesus Freaks» und «Hippies» redet, ist im Grunde genommen klar, wer gemeint ist.

Wie schon in seinem Erstling befasst sich Panos Cosmatos auch in seinem zweiten Film mit der dunklen Seite der Baby Boomer – einer dunklen Seite, die heute die USA in Form von Präsident Trump regiert. Gegen Rassismus zu sein gehört zweifellos zum Hippie-Ethos, aber dies hat auch Charles Manson nicht von seinem pathologischen Rassenwahn geheilt. Plus ça change, plus c’est la même chose? Die Sklaverei wurde in den USA eben erst 1865 abgeschafft. Und in Brasilien erst 1888. Da kann es ja nicht verwundern, wenn mit Jair Messias Bolsonaro ein waschechter Rassist zum Präsidenten gewählt wurde.

Red sagt an einer Stelle: «The psychotic drowns where the mystic swims.». Weil die meisten Menschen eben nicht Mystiker sind, wählen sie eben konsequent falsch, da sie mit ihren Freiheiten nicht umgehen können. Das ist aber sicher kein Plädoyer für weniger Freiheit, für weniger Demokratie: Cosmatos will nur zeigen, dass eben alles zwei Seiten hat. Er zeigt sowohl das Positive (das harmonische Zusammenleben von Red und Mandy, von Arbeit und Musse, von der Arbeit der Hand und der Arbeit der Stirn usw.) wie auch das Negative (die Gang von Jeremiah) und zeigt auch, wie die beiden sich bedingen. Trump wäre eben ohne die 68er undenkbar; Blocher ebenso. Erst durch die Revolution der 68er hat auch die Rechte neue Erfolge feiern können, die früher so nicht möglich gewesen wären. «Mandy» ist ein Film, der zum Denken anregt – nur für Erwachsene, da FSK 18!

«Mandy». USA/UK/Belgien 2018. Regie: Panos Cosmatos. Mit Nicolas Cage, Andrea Riseborough, Linus Roache, Ned Dennehy, Olwen Fouéré, Richard Brake, Bill Duke u.a. Schweizer Premiere am 23. November 2018 im B-Movie.