Korrupte Zeiten in Chicago – Steve McQueens «Widows»

Auch mit seinem vierten Spielfilm überzeugt Steve McQueen mit einer publikumswirksamen Mischung aus Anspruch und Unterhaltung. Diesmal legt der Brite das nach Chicago verlegte Remake einer britischen TV-Serie vor – die Geschichte von vier starken Frauen.

Nach einem missglückten Diebstahl kommen drei bekannte Verbrecher in Chicago ums Leben. Nun müssen ihre Witwen ihren eigenen Weg gehen – vor allem aber: das verschwundene Geld zurückzahlen. Die Afroamerikanerin Veronica (Viola Davis), die polnischstämmige Amerikanerin Alice (Elizabeth Debicki) und die Latina Linda (Michelle Rodriguez) sind ganz auf sich allein gestellt – doch unter der Anführung von Veronica, der Ältesten im Bunde, versuchen sie, das Geld aufzutreiben. Veronicas Fahrer muss aber ebenfalls sein Leben lassen – er wird durch die afroamerikanische Babysitterin Belle (Cynthia Erivo) ersetzt. Ob sich diese vier Frauen gegen alle politischen und kriminellen Interessen durchsetzen können?

Krisensitzung. (Bild: zVg)

Steve McQueen, Künstler und Regisseur: Während das schwarze britische Multitalent McQueen – nicht verwandt mit seinem weissen Namensvetter – in der Kunst Experimentelles wagt (einige seiner Werke waren im Schaulager zu sehen), so versteht er das Kino eher als Medium für ein breiteres Publikum. Wie schon bei «12 Years a Slave» hat auch diesmal Hans Zimmer die Filmmusik komponiert. Der Stoff hat sich bereits bewährt: «Widows» basiert nämlich auf der gleichnamigen britischen TV-Serie (Buch: Lynda la Plante). Auch dort waren die Witwen multikulturell. Für die USA haben Gillian Flynn und Ko-Autor Steve McQueen u.a. eine weisse, eine lateinamerikanische und eine schwarze Schauspielerin aufgeboten.

So repräsentieren die Witwen drei wichtige Bevölkerungsgruppen in den USA (vielleicht die wichtigsten überhaupt, zumindest in numerischer Hinsicht), und auch sonst ist der Film reich an typisch US-amerikanischen Elementen, die wohl den Menschen in Chicago und den USA mehr als nur bekannt vorkommen: korrupte Polit-Dynastien, Sexismus, Rassismus, Polizeigewalt, afroamerikanische Kirchen usw. Vieles davon gibt es aber so oder anders natürlich überall auf der Welt – die Kirche ist eben meist auch eine Institution der Macht und eben nicht nur eine wohltätige Institution. Es ist denn auch schwierig, in McQueens neuem Film nicht zuletzt ein starkes Plädoyer gegen Korruption und andere Formen der Kriminalität zu sehen. Der Film ist sicher einerseits unterhaltsam und kommt mit viel Action daher, und stilistisch ist McQueen natürlich immer auf der Höhe: auch dies unterscheidet «Widows» von einem x-beliebigen Mainstream-Streifen.

«Widows». UK/USA 2018. Regie: Steve McQueen. Mit Viola Davis, Liam Neeson, Michelle Rodriguez, Jon Bernthal, Elizabeth Debicki, Robert Duvall, Colin Farrell, Manuel Garcia-Rulfo, Cynthia Erivo, Brian Tyree Henry u.a. Deutschschweizer Kinostart am 6. Dezember 2018.

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