Universiphil1 #3: Von Deadlines und toten Zeilen

Von Tante Étudiante

In ihrer ersten Kolumne im neuen Jahr berichtet Tante Étudiante von Essays, Seminararbeiten und der Kunst, mit beidem fertig zu werden.

So viel zu lesen, so wenig Zeit: Tante Étudiante kämpft mit Seminararbeiten und Essays. zVg

So viel zu lesen, so wenig Zeit: Tante Étudiante kämpft mit Seminararbeiten und Essays. zVg

Es ist wieder diese Zeit im Jahr: Semesterferien. Wenn es nur so wäre. Für die Abteilung Phil1 bedeutet diese Zeit eher Arbeiten und Essays schreiben statt Ferien – respektive arbeiten, um sich dann so doch noch die eine oder andere Woche wirkliche Ferien leisten zu können.
Auch bei mir sieht die Situation zurzeit nicht anders aus. Hatte ich noch die eine oder andere Verschnaufpause dank der prüfungsfreien Zeit vor Weihnachten, so begrüsste mich das neue Jahr (nebst einem neuen Job und den ersten Theaterproben für die neue Produktion im Frühling) mit ziemlich harschen Deadlines. Zwei Essays waren verhältnismässig schnell geschrieben, der Dritte lag mir schon nach wenigen Zeilen schwer auf dem Magen. Musste das denn sein? Und schon fing ich an, das zu machen, was ich – und neben mir wahrscheinlich auch noch so einige andere StudentInnen – in solchen Situationen viel zu oft mache: nämlich nach Ausreden, Ausflüchten, Entschuldigungen und weiteren triftigen Gründen Ausschau zu halten, die es mir geradezu verunmöglichen, an Essays (oder schlimmer noch – Seminararbeiten!) zu arbeiten. Der Tag (ich nehme jetzt mal an, es ist einer, an dem ich nicht arbeiten muss, um das Ganze ein bisschen anschaulicher darstellen zu können) läuft dann meist nach folgendem Schema ab:
06.30h: Der Wecker klingelt. Ich realisiere, dass ich nicht arbeiten gehen muss und beschliesse, deswegen noch bis 8 Uhr zu schlafen, um mich dann gut ausgeschlafen hinter meine Bücher setzen zu können.
08.00h: Der Wecker klingelt, ich drücke auf den „Snooze“-Knopf, da ich jeweils gerne noch zehn Minuten liegen bleibe um aufzuwachen.
08.10h: Der Wecker klingelt wieder. Nur noch zehn Minuten – damit ich den tollen Mini-Traum, in den ich gerade reingerutscht bin, noch fertig träumen kann.
08.20h – 09.00h: Das wiederholt sich alle zehn Minuten, bis ich mich dann um 9 Uhr schweren Herzens aus dem Bett hieve.
09.10h: Erst mal ein herzhaftes Frühstück – ohne Energie läuft ja schliesslich gar nichts – und eine morgenmüde erste Konversation mit Monsieur Étudiant, meistens darüber, was wir an diesem Tag machen wollen/vorhaben.
10.00h: Auf an die Arbeit! Naja, fast. Zu erst werden noch schnell die E-Mails angeschaut, die neuesten Blogeinträge von unglaublicher Wichtigkeit gelesen und diverse kleine Sachen erledigt, die nicht warten können.
12.00h: Ich realisiere, dass sich auf meinem Schreibtisch ein ziemliches Chaos angesammelt hat. So kann ich mich unmöglich auf die Arbeit konzentrieren und beginne damit, aufzuräumen. Und weil ich schon dabei bin, gehe ich auch noch durchs Schlafzimmer und die Küche, höre aber gerade so knapp davor auf, tatsächlich mit Putzen zu beginnen (da Putzen wahrscheinlich das einzige ist, das ich noch lieber aufschiebe als Arbeiten und Essay zu schreiben).
13.00h: Schliesslich ist es Zeit, das Mittagessen zu kochen. Und natürlich auch zu essen. Nach dem Essen und Kaffee muss dann auch noch die Küche gemacht werden, bevor es weitergehen kann. Zum Glück haben Monsieur Étudiant und ich einen Deal – er macht den Abwasch während ich ihm Geschichten vorlese.
15.00h: Ich schaue mir noch einmal schnell meine E-Mails an und ob sich gerade etwas ergeben hat, was meine unmittelbare Aufmerksamkeit fordert. Dann beschliesse ich, dass es nun wirklich Zeit ist, mit meiner/m Arbeit/Essay zu beginnen.
15.30h: Und ich arbeite tatsächlich an meinem Zeug! Nicht, dass ich gross etwas schreiben könnte. Ausgerechnet dann, wenn ich vor dem Computer sitze, holt mich die Schreibblockade ein. Ich starre auf den Bildschirm und sehe lauter tote Zeilen, welche entweder nie geschrieben wurden oder nie geschrieben hätten werden dürfen.
16.30h: Frustriert beschliesse ich, eine Teepause einzulegen.
17.00h: Die Theaterprobe beginnt um 18.00h, es ist also höchste Zeit für mich, meine Sachen zu packen und mich parat zu machen.
17.30h: Ich komme viel zu früh im Probekeller an und verbringe die Wartezeit auf die anderen damit, Hörbücher zu „lesen“/hören.
18.00h – 21. 30h: Theaterprobe
22.00h: Ich komme erschöpft aber zufrieden zu Hause an, mach mir einen Tee, pflanz mich aufs Sofa und schau noch ein bisschen TV oder Serien.
Um ca. 00.00h: Müde und leicht deprimiert darüber, heute nicht viel erreicht zu haben, gehe ich ins Bett. Aber morgen ist schliesslich ein neuer Tag – und dann wird alles besser!

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